Heiliger Lotus!

Am Anfang schläft Vishnu auf den Urwassern. Aus seinem Nabel wächst ein Lotus mit dem darin liegenden Universum empor. Der Lotus ist das Symbol der Welt und der Schöpfung. Wie der Lotusstängel sich aus den Wassern erhebt und die Blüte hervorbringt, so hat sich einst die Erde bei der Quirlung des Milchozeans aus dem „Urmeer“ Padma (das heißt Lotusblume) emporgehoben.
Der Fruchtknoten des Lotus erhebt sich wie der Weltenberg aus dem Blütenboden, die vielen Blütenblätter strahlen in alle Himmelsrichtungen und symbolisieren die Vielfalt der Länder und Kulturen. Der Lotusstängel entspricht der aus den Urwassern aufsteigenden Weltachse, auf der die Erde ruht. Darunter liegen der Stiel und die Wurzeln in einem schlammigen Gewässer. Ebenso liegen auch unter der Erde Unterwelten.

In Asien ist die heilige Lotusblüte (Nelumbo nucifera) ein göttliches Symbol der Reinheit und steht für geistige Erkenntnisse und Reinheit des Geistes. Der Mensch wächst über sich und den Alltag hinaus und erblüht. So steigt er aus der Materie über die Wiedergeburt ins Nirvana, wie der Lotus aus dem Schlamm.

Im Buddhismus ist diese mythische Pflanze das Symbol für den Lauf der Zeiten (Frucht, Blüte und Stängel). So wie die Blüten aus dem Schlamm hervorgehen, so blühen die Lehren Buddhas. Es heißt, Buddha wurde auf einer Lotuspflanze geboren und in der Nacht, als Gautama empfangen wurde, soll ein riesiger goldener Lotus aus der Erde gewachsen sein. Buddha auf einer geöffneten Lotusblüte sitzend zeigt seine Herrschaft über die intellektuelle und philosophische Ebene und die Entfaltung des Bewusstseins.

Die sich öffnenden Blütenblätter deuten auch die Entfaltung der Seele an. Im Gegensatz zur Seerose, deren Blätter auf dem Wasser schwimmen und benetzt werden, erhebt sich das Lotusblatt über die Wasseroberfläche und wird nicht vom schmutzigen Wasser benetzt oder vom Schlamm beschmutzt. Die Umgebung in der sie wächst, kann ihrer Schönheit und Reinheit nichts anhaben. Eingelagert in den Schlamm ausgetrockneter Teiche können ihre Samenkörner sogar weit über 1000 Jahre keimfähig bleiben!

Die Blütenblätter einer Lotusblüte bestehen aus winzigen Schuppen Das Wasser perlt mit dem Schmutz an ihr ab, so dass sich keine schädlichen Teilchen oder Pilze und Bakterien auf ihr festsetzen können um sie zu schädigen. Selbst Klebstoff und Farbe bleiben nicht auf ihr haften.
Warum?
Hier gibt es ein Oberflächenparadox:
Mit dem Mikroskop erkennt man als Oberfläche das Nagelbrett eines Fakirs, die emporragenden Spitzen sind allerdings aus wasserabweisendem Wachs. So rollen nun die Wassertropfen ab und reißen die Schmutzteilchen mit sich.
Nicht möglichst glatte, sondern mikroskopisch raue Oberflächen bleiben rein!
Schlaue Wissenschaftler haben sich diesen „Lotuseffekt“ patentieren lassen und so werden nun selbstreinigende Fassadenfarben und Zeltstoffe die nicht schimmeln verkauft.

In China gibt es eine Lautgleichheit der Wörter Liebe und harmonische eheliche Verbundenheit und dem Lotus. Darum gilt die Lotosblüte auch als Sinnbild einer guten Ehe.

Lotus dance:

In Neu-Delhi wurde ein Baha’i-Tempel der Neuzeit für alle Religionen errichtet. Der Architekt, Fariburz Sahba, wählte die Gestalt einer sich gerade öffnenden Lotusblüte, deren äußere Blütenblätter schon entfaltet sind, deren innere aber noch das Allerheiligste umschließen.

4 Kommentare zu “Heiliger Lotus!

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