Weiße und Pinke Saris – Frauen in Indien

Witwen und alleinstehende Frauen zählen in Indien zu den Ärmsten der Armen. Sie gelten als „wertlos“ ohne Ansehen.

In Indien verlieren Frauen deren Mann stirbt ihre ganze Existenzberechtigung, ihre Familie, ihr Hab und Gut, sowie ihr gesamtes soziales Leben, Achtung und Respekt.

Früher musste eine Witwe in Indien und auch in Griechenland ihrem Mann in den Tod folgen. „Sati“ heißt diese Witwenverbrennung, bei der die Frauen ihren verstorbenen Ehemännern während der Verbrennungszeremonie durch einen Sprung ins Feuer und in den Tod folgten. Waren die Männer auf Schlachtfeldern fern der Heimat gefallen, wurden für die Witwen extra Scheiterhaufen errichtet und wenn sie sich weigerten, wurden sie aus der Stadt gejagt.

Obwohl die Witwenverbrennung 1829 die von den Briten verboten wurde, kann man auch heute noch in den indischen Tageszeitungen über gelegentliches Praktizieren dieses verbotenen und grausamen Brauchs lesen.

Die Witwen, die weiterleben, werden gesellschaftlich geächtet. Sie gelten als “Unglücksbringerinnen“. Sie dürfen nicht mehr an religiösen Feiern und familiären Festen teilnehmen und dürfen nicht erben und nicht mehr heiraten. Sie dürfen keinen Schmuck und farbige Kleider tragen, sondern nur weiße Saris. Genauso wie bei uns vor 50 Jahren alle Witwen Schwarz tragen sollten.

Oft werden sie mit “Geh weg und stirb!” aus dem Haus gejagt.

Da sie oft Analphabeten sind, verstecken sie sich oder machen ihrem Leben selbst ein Ende.
Die moderne indische Regierung ermöglicht ihnen zwar eine kleine monatliche Rente. Aber wie sollen sie Formulare, Bescheinigungen und Nachweise aus der Bezirkshauptstadt beschaffen?
Also leben und schlafen in Südindien die Witwen auf den Straßen, in alten Tempeln, in Gärten oder Hauseingängen und betteln. Niemand spricht mit ihnen, weil sie ein schlechtes Karma haben. Es heißt, dass schon der Schatten einer Witwe, der auf dich fällt, dir Unglück bringt. So leben sie in völliger Isolation und Elend auf den Straßen Indiens. Ihre Zahl wird auf 33 – 40 Millionen geschätzt.

Der Film “Water” der dieses Problem in Nordindien beschreibt, wurde von einer Inderin gedreht. Nachdem sie von hinduistischen Fundamentalisten bedroht wurde, unterbrach sie die Dreharbeiten und beendete den Film einige Jahre später in Sri Lanka.

Es gibt eine spezielle Witwenzeremonie um der Frau förmlich ihren Ehefrauenstatus zu nehmen und sogar ein Fest Ratha Saptami, um gar nie mehr Witwe zu werden. Fasten Frauen an diesem Tag, erlangen sie Erkenntnis und erwerben Tugendhaftigkeit. Witwen werden von der nächsten Geburt an frei vom Witwenstand, wenn sie an diesem Tag fasten.

Ausgerottet werden konnte die Praxis der Witwenverbrennung bis heute noch nicht. Es werden 40 Fälle im Zeitrahmen von 1947 bis 1999 geschätzt. Ähnlich ging es weiter bis zum 11. Oktober 2008. Da gelangte die 75 Jahre alte Lalmati Verma auf den brennenden Scheiterhaufen ihres Mannes in Kasdol, Raipur Distrikt, im indischen Bundesstaat Chhattisgarh.

Laut indischem Gesetz ist heute jede direkte und indirekte Unterstützung zur Selbstverbrennung verboten; selbst die traditionelle Verherrlichung solcher Frauen wird geahndet. Aber was heißt schon verboten in Indien?

Vielleicht bedarf es noch mehr solcher Frauen, wie Samnat Pal ( siehe Video), die die Probleme der Korruption und Bürokratie mutig angehen um Indien so schnell wie möglich aus dem Mittelalter in eine bessere Zukunft zu führen.

Unberührbare, Verhungernde, Häusliche Gewalt, Kinder- und Zwangsehen und Witwenächtung und -verbrennung sollten wir jedenfalls nicht mitnehmen in eine künftige bessere Welt.

Gulabi (Pink) Gang:

Advertisements

10 Kommentare zu “Weiße und Pinke Saris – Frauen in Indien

  1. Diese Frau müsste einen Orden bekommen. Sicher ist Gewaltlosigkeit nicht ihr Vorbild, aber sie hat ein gutes Herz und eine schnelle scharfe Zunge.
    Dass ihre Gang schon zig Tausend Mitglieder hat wusste ich nicht…
    Gott gebe ihr Kraft und ein langes Leben.

    Gefällt mir

  2. Ich denke, dass diese Menschen immer noch im archaischen Denken haften, weil diese Bräuche möglicherweise in der Frühzeit einmal überlebenswichtig waren.

    Die Zwangsheirat innerhalb der Familie (Cousin und Cousine)hatte ja auch Vorteile,wenn dadurch der Besitz nicht zersplittert wurde und nur so genug für alle zu essen vorhanden war.

    Gefällt mir

  3. Pingback: Weiße und Pinke Saris – Frauen in Indien | dschjoti

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s