Vom Luxusländle auf die Müllhalde

Unser Flug ging über London- Heathrow, wo die Zöllner verlangten, dass wir unsere Schuhe ausziehen. Dann leerten sie unsere sorgfältig gepackten Rucksäcke total aus und schnüffelten in den letzten Ecken nach irgendwelchen Elektrogeräten, aus denen sie dann triumphierend die Batterien herausholten und uns belehrten, dass wir diese nicht im Gerät, wohl aber außerhalb des Gerätes transportieren dürften. Schade, dass der Reisende mit seinem weißen Pulver im Honigglas, das aussah wie Anthrax nicht mehr zu sehen war, das Theater hätte ich gerne beobachtet.

Nachdem wir lange Wege durch die Flughallen mit interessanten, fremdländisch gekleideten Menschen zurückgelegt hatten und zum richtigen Gate sogar mit dem Bus fahren mussten und endlich im Flugzeug saßen, wurden wir alle erst einmal entlaust. Ich habe mich schnell unter meinen Anorak verkrochen und so lange wie möglich die Luft angehalten, weil dieses Spray so scheußlich stank. Irgendetwas war hier wohl falsch. Wieso gibt es in London Läuse, die nicht nach Indien fliegen dürfen? Vielleicht hängt das damit zusammen, dass es hier Katzen und Hunde regnet.

Wir wurden in Delhi am Flughafen von einem Taxifahrer und einem Manager abgeholt. Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, warum sie unser Hotel in der Innenstadt von Neu- Delhi, das ich doch rot in die Karte eingetragen hatte, nicht finden konnten. Es war nicht etwa nur, dass nirgends Straßennamen und Hausnummern angebracht waren, auch nicht in Hindi, sondern dass sie weder englische noch Hindi-Buchstaben lesen konnten und schon gar nicht einen Stadtplan.

Irgendwann nach ein paar Stunden, nachdem wir das halbe Stadtviertel befragt hatten, kamen wir schließlich im richtigen Hotel an.

Delhistromkabel

Es war stickig und dämpfig, so wie vor einem Monsunregen und als dann unsere Klimaanlage nicht funktionierte, haben wir dann eine Suite bekommen, mit einem Piccolo-Balkönchen und einem umwerfenden Blick zur Straße. Da ja mal irgendwann das Hotel auch renoviert werden muss, konnten wir uns an den Bauarbeitern und am Baulärm erfreuen.

DelhiBauarbeiter

Wir drehten dann noch eine Runde um den Block und hier wurden meine Sinne völlig verwirrt, von dem unbeschreiblichen Lärm, den Leprakranken die mitten auf der Straße herumlagen und den dunklen Gestalten, die überall in den engen Gassen zu lauern schienen.

Die Obdachlosen hatten einfach mitten im Getümmel ihre Claims abgesteckt, blaue Plastikplanen drüber gezogen und fertig war das Wohnschlafesszimmer, wo auf den Chulas, den tragbaren Kochern gekocht wurde und mittendrin die Kinder und Tiere herumliefen.

Delhi street(2)

Unterwegs verpasste ein Passant plötzlich ohne ersichtlichen Grund einem Rikshafahrer eine Ohrfeige. Dieser hat sich aber nicht gewehrt und sich nur erkundigt, warum er die bekommen hat. Seltsame Gebräuche sind das!

Kaum waren wir wieder im Hotel, prasselte unser erster Monsunregen los.
http://dschjotiblog00.blog.de/2010/11/19/monsun-indien-10009426/

2 Kommentare zu “Vom Luxusländle auf die Müllhalde

  1. Eine Freundin kam verlaust aus einem indischen Ashram zurück. Ich ärgerte mich über sie, weil sie es mir nicht gesagt hat, erst als sie mich unbedingt besuchen musste und in meiner Wohnung war. Ich trage meine Haare etwas länger.
    Eine andere war Lehrerin in einem Dorf und sie konnte dann endlich das Kopftuchgebot verstehen und warum so viele Jungs kahlköpfig waren.
    Ein einheimischer Kollege gab offen zu, dass seine Kinder Läuse haben und dass er mit der Lehrerin gesprochen hat, dass seine Kinder mit Kopftuch in der letzten Reihe sitzen, damit sie nichts vom Unterricht verpassen.
    Ausgrenzung ist die andere Seite.
    Ich habe Beispiele aus dem Ländle angeführt, in London mag es anders sein.
    Ich verstehe schon, dass wenn sich die englische Hauslaus mit der indischen Straßenlaus vermischen, dass es zu unkontrollierbaren Mutationen kommen kann.

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