Gaudi und Gangster in Barcelona

In der Morgendämmerung ratterten wir eine halbe Stunde mit unseren Koffern übers Pflaster ohne das Miro Mosaik zu bemerken. Das Hotel sollte laut Prospekt nur 10 Minuten von der U-Bahn entfernt sein. Aber spanische Uhren gehen eben etwas anders.

Wir hatten uns noch nicht richtig von den Strapazen der Reise erholt und liefen dann mal eben auf den Hausberg Montjuïc zur Burg um uns einen Überblick über die Stadt zu verschaffen.

Dann ging es hinein in das Getümmel. Die Ramblas, die Hauptpromenade durch die Stadtmitte war schon morgens rammelvoll mit Touristen, Straßenkünstlern, Buden und natürlich mit Taschendieben.

Als wir genug Jugendstilhäuser gesehen hatten, landeten wir auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen auf einem großen Platz mit alten Bäumen. Ein Mann mit Stadtplan fragte uns nach dem Weg und als wir ihm den Weg erklären wollten, stellte er sich seltsam doof an. Dann eilten plötzlich ein paar dunkle Gestalten herbei und wollten unsere Ausweise sehen. Vor lauter Schreck sind wir erst mal weggerannt. Später erfuhr ich, dass diese Gangster das wohl öfter so machen.

Diese Warnung hatten wir natürlich nicht gelesen:

http://www.barcelona-tourist-guide.com/de/general/sicherheit/barcelona-sicherheit.html

Die hohen Eintrittskosten zu Barcelonas Wahrzeichen, Gaudis Sagrada Familia konnten wir uns sparen, es war eine riesige Baustelle. Wir bestaunten lieber die umliegenden Jugendstilhäuser.

Da es uns dann aber doch zu heiß wurde, entschlossen wir uns zu einer abkühlenden Hafenrundfahrt. Vom Schiff aus konnten wir die Auswirkungen, der heißen Sonnenkraft auf die Gehirne der Architekten betrachten.

Die nicht TÜV-geprüfte Seilbahn erschien uns auch zu teuer und so amüsierten wir uns mit den grünen Mönchssittichen, die die Früchte der Kanarischen Dattelpalmen liebten.

Der Parc Güell war ein Traum wie aus Zuckerguss und der Ausblick über die Stadt war wunderschön.

Wir machten unseren Abendspaziergang als es noch hell war, weil wir früh schlafen gehen wollten. Nachts um 2 Uhr kam nämlich jede Nacht die Müllabfuhr und polterte unter unserem Fenster herum, dass ich dachte, das Hotel fällt ein.

Da tropfte es plötzlich mitten auf dem Gehweg schmierig und schleimig auf uns herab. Das konnte ja nur eine von den vielen Tauben gewesen sein. Ein freundlicher Mann half uns die Scheiße aus Kleidern und Haaren zu beseitigen. Er opferte sogar noch den Inhalt seiner Sprudelflasche dazu.

Nachdem er sich verabschiedet hatte, war plötzlich der Geldbeutel mitsamt den Ausweisen weg!

Dann mussten wir erst mal dem Taxifahrer den Weg erklären um ans andere Ende von Barcelona zur Polizeiwache zu kommen um dort Ersatz- Papiere zu holen. Mitten in der Nacht, als die U-Bahn schon geschlossen hatte, kamen wir wieder raus. Aber das war der Polizei genauso egal, wie die Adresse, an der man uns beschissen hatte.

Wie es anderen ebenso ergangen ist, habe ich natürlich erst hinterher gelesen:

http://www.barcelona-tourist-guide.com/de/general/sicherheit/barcelona-taschendiebe.html#birdpoo

Auf dem Rückflug bei der Zollkontrolle materialisierte sich doch tatsächlich mein Taschenmesser in meiner Jackentasche. Stundenlang hatte ich es am Tag vorher gesucht um eine Orange damit zu schälen und Barcelonas Taschendiebe verdächtigt es geklaut zu haben.

Immerhin bekamen wir im Hotel öfters mal überraschenden Besuch, der sich trotz abgeschlossener Tür „aus Versehen“ im Zimmer geirrt hatte.

Die spanischen Zollbeamten lachten nur und behaupteten ich sei „una terrorista“ und da ich ausreisen würde, durfte ich mein Taschenmesser in eine riesige Reisetasche legen, einchecken und mit nach Deutschland nehmen.

Da die Gangster meine Kamera nicht geklaut haben, könnt Ihr hier die Bilder von Barcelona betrachten:

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8 Kommentare zu “Gaudi und Gangster in Barcelona

  1. ….vor zwanzig Jahren konnte man noch kostenlos auf den einen fertigen Turm der Sagrada Familia steigen, da waren die Straßen noch voller Bettler und im Hafenviertel die Fenster vergittert und es stank nach Pisse…Barcelona war wundervoll lebendig…

    …damals war es wirklich noch romantisch und ich war ganz hingerissen vom Charme dieser Stadt…heute finde ich es traurig dort…als ich das letzte Mal da war, fand ich es merkwürdig leblos, geschönt für die Touristen und musste erleben, dass die Bettler von Polizisten aufgegabelt wurden…

    …es zieht mich nicht mehr hin…

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