Ein Lobgesang auf die Schöpfung

Zunächst bewunderten wir still und andächtig die wunderschöne helle Kirche St. Sebastian in Ottenbach.

Daraufhin nahmen wir den Pilgerweg unter unsere Treckingschuhe und die Pläne in die Hände und liefen gemäß der Wegeschreibung kreuz und quer in Ottenbach herum. Als wir dann ratlos mitten auf einer Wiese standen, weil der Weg aufhörte, kamen uns schließlich die Naturwesen zu Hilfe.

Sie ließen ein hell orange leuchtendes Kreuz mit einer Sonne am Waldesrand aufleuchten.

Von nun an wichen die Naturwesen nicht mehr von uns. Sie begleiteten uns auf dem Franziskusweg, auf dem wir die Schönheit der Schöpfung erschauen wollten, vorbei an den, in den Bäumen wohnenden Gottheiten.

Als ich im dichten Hain stehenblieb, hatte ich das Gefühl der Gegenwart einer Muttergottheit und bekam so die Ahnung von etwas Höherem. Auch die alten Germanen wussten, dass die Götter nicht menschenähnlich aussahen und nur mit dem Geiste geschaut werden können.

In den heiligen Hainen der Kelten, unter freiem Himmel, befanden sich häufig Orakelstätten mit heiligen Eichen. Priesterinnen deuteten das Rauschen der Eiche, zu deren Wurzeln das der Gottheit geweihte Gold und Silber lag.

Hier, im Kitzhölzle hingen der Mond und die Sterne, die Brüder und Schwestern von Franziskus in den Bäumen.

Der Lichtung vor dem Rehgebirge begegneten wir mit Ehrfurcht und voller Dankbarkeit. Hier konnten wir ungehindert Kontakt zur Natur und zu uns selbst, aber auch mit den geistigen Welten aufnehmen. Hier konnten wir Kraft bekommen um den Berg hinauf, zu den bunten Fahnen die im Winde wehten und dem Windspiel, aufzusteigen. Sie sollen Wind und Wetter ausdrücken.

Während wir uns unter einer Drahtkapelle ausruhten, ragte aus dem Walddunkel plötzlich ein Kruzifix mit dem Gekreuzigten hervor. Die Tafeln unten beschrieben das Leben des Franziskus.

Als wir dem Weg nach Kitzen über die eingezäunte Kuhweide folgten, malte Bruder Wind eigenartige Symbole für uns in den Himmel.

Der tief ins Innere der Erde, hinab zu den Unterirdischen führende Dorfbrunnen ließ auch hier das Göttliche erahnen.

Beim Kitzenbach in der Nähe der Grotte badeten Nymphen, als wir uns meditierend dem Tempel beim Wald am Bächlein, in dem Maria verehrt wurde, näherten. Maria wurden bei der Christianisierung die Aufgaben der alten Erd- und Muttergöttinnen übertragen.

Ich fühlte hier bereits die Anwesenheit von drei Gestalten. Ob es die Drei Jungfrauen aus dem christlichen Mittelalter oder die keltisch- germanischen drei Matronen (http://dschjotiblog00.blog.de/2013/07/29/besuch-villa-rustica-16273658/) waren oder die Trinität Brahma, Vishnu und Shiva, das weiß ich nicht, weil sie sich nicht mit mir unterhalten wollten.

Am Waldrand kurz vor Ottenbach kamen wir dann an den Bildstock von der Heiligen Dreifaltigkeit.

Ich spürte wie sich die Energie verdichtete. Sie stammte wohl von den Menschen, die hier zuletzt gebetet hatten. Sie verstärkten meine eigene Energie und riefen in mir eine Spannung und ein Prickeln auf der Hautoberfläche hervor. Ich spürte auch das seltsam Wunderliche, Geheim und Behütete und den alten Zauber dahinter. Dieser Ort besaß magische Kräfte.

Oft wurden heidnische Tempel neben Quellen gebaut und später in Kapellen verwandelt. Musste man früher wirklich das Anzünden von Lichtern beichten und wurde dies gar unter Strafe gestellt?

Die orientalische Quellgöttin Kybele war noch erschöpft vom rauschhaften Tanz, der sich in der letzten Nacht wieder bis zur Raserei gesteigert hatte und so konnte sie mir nicht das Murmeln des Baches übersetzen, der mir etwas über die Zukunft erzählen wollte.

In dem Gärtchen aus Büschen steht das Tau, der griechische Buchstabe, mit dem Franziskus die Menschen segnete und unterschrieb.
Das Tau ist das Zeichen der Erwählung. Bevor das Strafgericht über Jerusalem hereinbricht, zeichnet der Herr die Gerechten zum Schutz mit einem Tau auf der Stirn.

Die Einwohner von Ottenbach, deren Häuserdächer, Autos und Gartenzwerge von den riesigen Hagelkörnern getroffen wurden, haben sicher nicht den Göttern geopfert, wie die Menschen es taten, zu den Zeiten als die Sonne abwechselnd in die Ober- und Unterwelt fuhr.

Dass sie gott- trunken, einen alten Labyrinthtanz mit Kranichmasken aufführten oder wie die Gallier aus Ruten geflochtene und mit Menschen gefüllt Käfige, angezündet und den Göttern geopfert haben, konnte ich mir auch nicht vorstellen, als ich das Geflecht beim Gärtchen sah.

Unterirdische Gottheiten bekamen damals solche Opfergaben: die Asche und andere Überreste der Geopferten wurde rituell in der Erde versenkt oder über die Felder gestreut, damit die Göttin, die Grosse Mutter nicht zornig wird. Dann nämlich hält ihr Gestirn, der Mond den Regen zurück. Darauf versiegen die Quellen aus der Unterwelt, die Felder trocknen aus, die Saat verdorrt …

Auf dem Friedhof sahen wir viele Steine und Kreuze. Manche Hinkelsteine mit überirdisch ausgestatteten Kräften, Menhire die einst mit Öl gesalbt, mit Milch übergossen und Kerzen verziert wurden, wurden zur Zeit der Christianisierung in ein Kreuz umgeformt oder darin wurden Heiligennischen eingegraben. Hieran musste ich denken, als ich das Loch in der Stele sah, das die Auferstehung, den Sieg des Lebens über den Tod symbolisiert.

Als wir genug lustgewandelt und ausreichend wundersame Gefühle aus uns hervorgekommen waren, meditierten wir noch ein wenig in der Kirche.

9 Kommentare zu “Ein Lobgesang auf die Schöpfung

  1. was Du da so alles erlebst wo ich doch nur dran vorbei laufen würde…
    und die Leute vom Dorf sind ganz schön clever da einen spirituellen Weg anzulegen um so die Touristen anzuziehen…
    gewusst wie!

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