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Der Monsun in Indien

Die Luft ist voller schwirrender Libellen, die den Mosun ankündigen. Die Feuchtigkeit ist schon so hoch, daß sich meine Haare in kleine Löckchen kringeln. Von Juni bis September herrscht hier der niederschlagsreiche große Südwest- Monsun.(arabisch „Mausim“, Hindi „Mausam“ = Jahreszeit)
Er beinhaltet 80 -90 % der jährlichen Niederschlagsmenge in Indien, außer im Süd-Osten.

Auf unserer Stadtrundfahrt in Delhi zum India Gate und dem Parlamentsgebäude überraschte uns ein Monsunregen. Agni, der Feuergott der Veden kegelte. Danach war das Connor Emporium überschwemmt, mit den sündhaft teuren Kunstgegenständen und Saris. Aber diese und auch die Antiquitäten waren viel zu teuer für unseren Geldbeutel.

Kaum waren wir im Hotel, ging es wieder los, diesmal hämmerten aber die Handwerker. So liefen wir auf die Straße, um nach den Fluten zu sehen. Die Einheimischen nahmen es gelassen. Die Bauern sind auf den Monsun angewiesen, daher wohl auch die Vorliebe für das Regenwetter.

Aber die armen Rikshafahrer tun mit leid. Die bekommen die Fäkalienbrühe voll ab.

In Varanasi, war ebenfalls Regenzeit und die Mutter Ganga hatte Hochwasser. In dicken schlammigen Strömen floss sie Shivas Haare hinab. Sie leckte an den Stufen der Ghats und hatte schon etliche von ihnen verschlungen. So konnten wir nicht mehr an den Ghats entlang wandeln.
Aber auch in den Gassen dahinter ergossen sich richtige Sturzbäche durch die engen und winkligen Gassen. Wir wateten oder sprangen durch die Büffelscheißebäche zurück zum Hotel. Seit meiner Schulzeit habe ich keine solchen Sprünge mehr gemacht.

Unser Bett im Hotel fanden wir im Wasser stehend vor, obwohl wir ein Turmzimmer ganz oben bewohnten. Der Regen hatte gegen die Tür gepeitscht, die war aber undicht. Als ich anfing sämtliche verfügbaren Lappen im Hotel einzusammeln, sprangen die Angestellten plötzlich los und wollten auch helfen, das gab wieder Bakschisch.

Während und nach dem Monsun richten regelmäßige Überschwemmungen im Jumma-, Ganges,- und Brahmaputra-Tal schlimme Zerstörungen und ein großes Verkehrschaos an.