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Unsere unglaubliche Reise von Orchha nach Agra

Wir lasen gerade in der Zeitung, dass wir in Lucknau und Delhi gerade abgefahren waren, als es mal wieder größere Überschwemmungen gab. Schwein gehabt.

Schwein

Dann traf eine Gruppe spanischer Gehörloser ein. Sowas hatte das Indische Personal noch nicht erlebt. Die Kellner waren ganz aus dem Häuschen, die Gebärdensprache erschien ihnen doch sehr befremdlich, vor allem dann, als eine der Frauen Milch zum Kaffee wollte, fielen dem Kellner fast die Augen aus dem Kopf. Er war entsetzt: Sie machte eine Gebärde, als ob sie ihre Brust melkt. Wir fielen fast vom Stuhl vor Lachen.

Auf unserem Morgenspaziergang erfuhren wir den Grund, warum wir am letzten Abend keine trockenen, sauberen Handtücher bekommen konnten:

Waschplatzjpgg

Es war immer alles feucht und schimmelte leicht. Dann sahen wir auch noch, wie die Wäsche am Bettwa- Ufer auf den Steinen gewaschen und auf den Kuhfladenbedeckten Felsen getrocknet wurde. Da es dort wohl keine Waschmaschine gab, hatten wir dann auch Verständnis dafür, dass unsere Zimmer nie gemacht wurden, was uns ehrlich gesagt auch ganz recht war. Das Personal war eben anderweitig beschäftigt – mit Baulärm, den man natürlich auf Bitten der Gäste nicht einstellen konnte, weil in einem so großen Hotel ja immer mal etwas renoviert werden muss.

Aber, eine Stunde bevor wir auschecken mussten, standen plötzlich schon viele „Boys“ , die wir bis dahin noch nie gesehen hatten, mit Schrubbern vor der Türe und sie fragten uns, wann wir endlich gehen würden.
Der Manager des Hotels lud uns dann beim Abschied ein, doch auf unserer nächsten Reise nach Orchha wieder ins Maharadschahotel zu kommen.

Wir nahmen lieber dankbar die Einladung unseres freundlichen Fahrers an, sofort mit ihm nach Agra zu fahren, anstatt wie geplant den halben Tag mit den Koffern in Jhānsi zu verbringen und nachts im Dunklen im Zug in dem Gedränge und den Läusen zu reisen (Fehler bei der Buchung durch die indische Agentur).

Auf unserer unglaublich interessanten Reise nach Agra sehen wir öfters Menschen auf den Bussen sitzen. Das ist in Indien zwar nicht erlaubt, aber von privaten Unternehmen wird diese gefährliche Art des Reisens geduldet.

Bus zwischen Orchha und Agra

Viele sind dabei schon ums Leben gekommen, wenn Vollbremsungen nötig waren oder Stromkabel zu niedrig hingen. Auch bei Tunneln und Brücken gab es viele Opfer zu beklagen. Hier kam uns ein vollbeladener Geistertraktor entgegen:

Geistertraktor

Wir entdeckten diese sandgefüllten Feuerlöscher an einer Tankstelle.

Feuerlöscher

Hier geht es weiter, wie wir durch den Teil von Rajastan kamen, durch den man nachts keinesfalls fahren darf:
http://dschjotiblog00.blog.de/2010/04/06/orchha-agra-dholpur-district-8319432/

Orchha , die indische Stadt aus dem Mittelalter

Wir wachten vom fröhlichen Gezwitscher der vielen grünen Papageien auf und die Sonne begrüßte uns auf unserem himmlischen Weg durch den grünen duftenden Maharadschagarten zum Speisesaal. Ein Monsunregen hatte überall den Staub weggewaschen und überall funkelten und glitzerten die Regentropfen auf den Pflanzen.Aber leider war es kein Weg ins Paradies.

InnenhofMaharadschahotel

Wir frühstückten an Tischen mit total verkleckerten Tischdecken, auf dem schmutzige Tassen standen. Die Kellner waren geübt im Einschenken, so dass jedes Mal eine große Pfütze entstand. An anderen Tischen konnten wir uns dann verkrumpelte Servietten zusammensuchen. Der Obstsalat stand 3 Tage lang immer wieder auf dem Büffet, weil niemand ihn essen wollte. Die Milch ( von Wasserbüffeln?), die sie uns zum Kaffee andrehen wollten, schöpften die Kellner aus einem großen Topf, in dem ein Brei drin war.

Vielleicht merkten manche Gäste nicht, was hier geschah, weil die Aussicht in den Garten so zauberhaft war.

Wir aßen nur Gekochtes und Bananen. Die leckeren Pfannkuchen und erst recht die Äpfel konnten wir mit den zur Verfügung gestellten Messern nicht schneiden. Ach ja richtig, hier isst man ja eigentlich mit den Fingern.

Und dann ist es passiert. Unsere Nachbarin rutschte auf den glitschigen nassen Fliesen vor den Zimmern aus und verletzte recht heftig ihren Arm.

Wir liefen zu den interessanten Gemäuern, den Palästen und Tempeln aus dem 17. Jahrhundert, zum Mahal hinter der Brücke, wo uns unzählige Guides auflauerten. Es war nicht ganz einfach ihnen klarzumachen, dass wir uns die Namen der vielen Herrscher, deren Grabmäler, die Chattris die das Ufer des Betwaflusses zieren, sowieso nicht merken können und außerdem alles in den Reiseführern genauestens beschrieben ist. Eigentlich wollten wir hier auf dem Lande ja nur mal etwas die himmlische Ruhe genießen, nach dem Spektakel der letzten Tage.

„Indien, das Land der Gegensätze“, kam mir beim Anblick des stinkenden Lakshmi Tempels mit Fledermauskacke, wofür man sogar Eintritt bezahlen soll, in den Sinn. Warum soll Lakshmi, die Göttin der Schönheit und des Wohlstandes, die nur hell erleuchtete Häuser besucht, um Glück und Wohlstand zu bringen, da wohnen?

Im Schulhof werden hier sogar Wildschweine gehalten. So werden die weggeworfenen Pausenbrote der Kinder wenigstens richtig verwertet.

Auf dem Rückweg bummelten wir über den bunten, quirligen Basar, kauften Geschenke, Obst usw. und fotografierten eine Bananensaftmaschine.

KosmetikstandOrchha

Hinter dem Marktplatz befand sich ein kühler Klostergarten, in dem die Menschen Picknick machten. Wir beobachteten, wie sich einige Affen anschlichen und einer ihr Essen klaute. Es gab ein großes Geschrei auf beiden Seiten und als ich dann noch mehr hungrige Affen mit gewaltigen Zähnen in den Bäumen entdeckte, verkrümelten wir uns schleunigst.

Wir beobachteten die Inderinnen in ihren hübschen bunten aber unpraktischen Saris. Sie mussten sich alle paar Minuten ihre wegrutschenden Dupattas (lange Schals) zurecht zupfen und mit ihrem Saum kehrten sie die Kuh-, Ziegen- und Menschenfladen auf.

Einige Jungen bewarfen zu ihrem Vergnügen Hunde mit Steinen, hörten aber auf, als ich mit ihnen schimpfte.

Eigentlich wollten wir ja in die schönen Bettwa- Bungalows bewohnen, die hier am Anfang gezeigt werden:

Auf diesem Video sieht man kurz nach 6:00 sehr schön einen von den richtigen indischen Geiern, die wir bereits von unserem riesigen Flachdach in aus der Ferne um die Paläste fliegen sahen.

Abends wollte ich nach dem Duschen neue trockene Handtücher holen, bekam aber nur stinkende und schmuddelig aussehende. Nur gut, dass ich mein eigenes, duftendes, buntes Handtuch im Notfallkit hatte.