Tag-Archiv | Corvus Corax

Wie ich mich vom Wäscherschloss nach Varanasi beamte

Von Birenbach aus liefen wir die Abkürzung durchs Rapsfeld und befanden uns plötzlich im Rittersaal des Wäscherschlosses:

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Auf der Burg Wäscherschloss in Wäschenbeuren waren bereits die Geisterjäger zu Besuch gewesen. Ob sie wohl noch ein paar Gespenster für uns übrig gelassen haben? Würden wir sie heute Abend sehen? Oder hatte ein übereifriges Medium die Wesenheiten eventuell bereits ins Licht geschickt?

Wir kamen auf der Burg aus dem frühen 13. Jahrhundert an, als die Dämmerung kaum noch Farben erkennen ließ.

Schlosshund

Am Eingang empfingen uns schon ein paar Staufer mit ihrem Schlosshund. Der Hund war bestimmt das Klopferle vom Rechberg, der einst den Tod seines Herrn, Graf Ulrich und danach auch von anderen Familienmitgliedern durch Klopfen deren Tod anzeigte.

Ritter Konrad war der Namensgeber der Burganlage.

Dann kamen wir in den riesigen Innenhof, der sich optimal für Musikveranstaltungen z. B. von Corvus Corax eignet:

Damit wir in der mittelalterlichen Umgebung nicht mit unseren unpassenden Outfits die Geister verschreckten, durften wir uns weiße oder braune Gewänder auswählen.

Die Kinder bekamen Laternen, um uns den Weg zu den historischen Burggemächern zu leuchten.

Dann wurden uns Geschichten aus dem Mittelalter erzählt:

Wie die Kinder bis zu 7 Jahren von der Burgherrin unterrichtet wurden und danach zum Vater als Page in die Ausbildung kamen…

Wie sich Barbarossa auf dem Weg zwischen KlosterLorch und der Burg Hohenstaufen in eine Wäscherin verliebte und ihr die Burg Büren schenkte…

Wir hielten auch Ausschau nach dem Lichtlein des Minnesängers vom Hohenstaufen, jenes Edelknaben, der sich unsterblich in die Burgherrin des Rechbergs verliebt hatte und mit seiner Funzel über den Aasrücken lief um ihr auf seiner Laute vorzuspielen, bis der Burgherr ihn so verprügelte, dass er im Kerker seinen Verletzungen erlag.

Seither spukt dort der Staufergeist in Gestalt eines hin und her wandelnden Lichtes, das aber auch von Kaiser Rotbart oder dem hingerichteten Konradin stammen könnte. Mit meiner Taschenlampe haben wir aber nur ein paar Schafe erschreckt.

Wir bestaunten die Totenmaske der Hildegard von Bilgen:

Ich verließ das Wäscherschloss selbstverständlich durch den Kamin im Rittersaal in Richtung Varanasi. Auf diesem Weg gibt es auch keine lästigen Flughafenkontrollen.

Hier ist der link. Falls Ihr mir zum Ghat folgen wollt, müsst Ihr dann nur noch auf den Pfeil im Kamin klicken:

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Corvus Corax, der Kolkrabe

Er ärgert gerne größere Greifvögel durch gezielte Sturzflüge, weil er genau weiß, dass sie ihm nichts anhaben können. Dank seines ausgeprägten Spürsinns für Fressbares und weil er so ziemlich alles frisst, findet er immer tierische oder vegetarische Nahrung. Besonders gerne ließ er sich früher auf den Galgenhügeln und Schlachtfeldern nieder um sich an den Toten satt zu fressen. Heute sieht man ihn eher auf Mülldeponien.

in der Morgenröte
erheben sich zwei Raben
von des Walvaters Schultern herab
sie fliegen Asgards Höhen
nach Midgard herab
durchstreifen Wälder und Flure
die höchste Berge und Täler
sie sind die Augen und die Ohren

kehrt heim zur Mittagsstunde
und flüstert eurem Herrn
was geschah in Midgard
bringt Kunde von einer Schlacht
so schüttelt Odin seinen Speer
und ruft sein Roß Sleipnir
mit Walküren eilt er hinab
die auserwählten Krieger zu holen

schwarze Federn am Himmelszelt
künden vom Schicksal unserer Welt
blickt auf Midgard nieder
und kehrt nach Asgard wieder
laßt vom Wind euch treiben
denn nichts wird ewig bleiben
Leben kommen Leben vergehen
und ihr habt alles gesehen

refr.
fliegt,ihr Raben,fliegt hinaus
kündet eurem Herrn vom Schicksal der Welt
flieg Gedanke,flieg Erinnerung
Augen des Allvaters.

Er nistet an einsamen, schwer zugänglichen Orten und lebt lebenslang mit seinem Partner zusammen. Während der Brutzeit wird das Weibchen liebevoll von dem Männchen gefüttert und sind die Jungen erst einmal geschlüpft, werden sie von beiden Rabeneltern eifrig umsorgt.

Woher kommt dann aber die abfällige Aussage von den Rabeneltern?

Der Übeltäter war der Domherr Konrad von Megenberg. In seinem 1350 erschienenem „Buch der Natur“ behauptete er, Raben würden ihre Jungen aus dem Nest werfen. Vielleicht hat er da eine Bibel falsch übersetzt, z. B. Hiobs Bemerkung, Raben würden ihre Jungen aus Mangel an Speisen herumirren lassen oder weil Moses Raben für unreine Tiere hielt. Dabei hielt auch Noah einen Raben als Kundschafter und dem Propheten Elias brachten die Raben auf seiner Flucht „Brot am Morgen“ und „Fleisch am Abend“.

Rabe

Dieser intelligente, neugierige und kluge Vogel galt auch den Germanen und den Indianern als heilig. Die Mayas verehrten ihn, weil er den Mais entdeckte. Die chinesische Mythologie weiß, dass ein dreifüßiger Rabe in der Sonne haust. In der Persischen und Griechischen Kultur war er der Begleiter der Götter des Lichtes.

Göttliche Raben begleiteten die Wanderzüge der Kelten unter Bellovesus und Segovesus. Raben waren Kundschafter auf den Segelschiffen der Wikinger um ihnen Land anzuzeigen, wie bei Noah. Flüsterten sie vielleicht auch noch andere Botschaften in ihre Ohren, so wie es das Rabenpärchen Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung/ Gedächtnis) beim Göttervater und Rabengott Odin zu tun pflegte?

Als Todesbote wurde der Rabe ehrfürchtig bezeichnet, als Mittler zwischen den Lebenden und den Geistern. Durch sie kam das Wissen, Leben und Macht aus den verborgenen Bereichen nach Midgard. Beim Opfer an Odin gilt das Krächzen zweier Raben, dass das Opfer angenommen wurde.