Tag-Archiv | Dupatta

Shopping in Agra

Im Pacific Mall, einem Einkaufszentrum beobachteten wir verschiedene Inder, die noch nie in ihrem Leben Rolltreppe gefahren sind. Ein kleiner Junge weigerte sich zur Verzweiflung der Eltern dieses Ungeheuer zu betreten. Ehe er sich versah hat Andi sich ihn geschnappt und sprang zusammen mit ihm auf die Rolltreppe.

Natürlich hatte sich der ängstliche Bub am Zipfel der Dupatta (2m langer Schal) seiner Mama verkrallt und die Rolltreppe fuhr natürlich weiter so dass sie ganz abgewickelt wurde. Ich war heilfroh, dass sie ihre Dupatta nicht wie ich es mache, mit einer dicken Sicherheitsnadel am Sari festgebunden hatte. Wer weiß was ihre jetzt nur lachende Großfamilie mit uns angestellt hätte….

Wir besichtigten noch ein Teppichgeschäft, damit der Taxifahrer seinem Chef berichten konnte, wir waren da drin (wegen der Kommission). Der Besitzer, ein Mohammedaner, beschäftigte seine meist weiblichen Familienangehörigen hier in webender Art und sie trugen kein Kopftuch, damit das göttliche Licht besser in ihr Kronenchakra eindringen kann, erzählte er uns. Beim Weben rezitierten sie Suren und Mantren, damit die Tätigkeit nicht langweilig wird und der Heilige Geist in den Teppich einzieht und diesen umso wertvoller macht. In dem schönen kühlen Raum wurden dann alle Teppiche vor uns ausgerollt und wir mussten auch keinen mitnehmen.

Abends machten wir so wie man es uns beigebracht hat weiter. Wir schauten alles in allen Geschäften an und fanden nur ein paar Postkarten und einige Erdnüsse und natürlich unsere Wasserflaschen kaufenswert.

VordemHotelAgra

Selbstverständlich erlebten wir einen der häufig vorkommenden Stromausfälle als wir gerade in einem Bücher/CD-laden waren. Da standen wir dann mit 10 Verkäufern im Dunklen und trauten uns erst recht nicht hinaus auf die Straße mit den Kuhfladen und den wilden Hunden. So viel Pfefferspray hatte ich ja auch nicht dabei.

Als das Licht wieder an ging, rannten wir erleichtert in unser Hotel und schauten uns im Fernsehen an, wie Delhi unter Wasser stand und der Film „ The Gods must be crazy“ passte auch hervorragendzu unserer Situation:

An diesem Abend gab es noch weitere 10 Stromausfälle, aber unser Hotel hatte ein gutes Notstromaggregat.

Orchha , die indische Stadt aus dem Mittelalter

Wir wachten vom fröhlichen Gezwitscher der vielen grünen Papageien auf und die Sonne begrüßte uns auf unserem himmlischen Weg durch den grünen duftenden Maharadschagarten zum Speisesaal. Ein Monsunregen hatte überall den Staub weggewaschen und überall funkelten und glitzerten die Regentropfen auf den Pflanzen.Aber leider war es kein Weg ins Paradies.

InnenhofMaharadschahotel

Wir frühstückten an Tischen mit total verkleckerten Tischdecken, auf dem schmutzige Tassen standen. Die Kellner waren geübt im Einschenken, so dass jedes Mal eine große Pfütze entstand. An anderen Tischen konnten wir uns dann verkrumpelte Servietten zusammensuchen. Der Obstsalat stand 3 Tage lang immer wieder auf dem Büffet, weil niemand ihn essen wollte. Die Milch ( von Wasserbüffeln?), die sie uns zum Kaffee andrehen wollten, schöpften die Kellner aus einem großen Topf, in dem ein Brei drin war.

Vielleicht merkten manche Gäste nicht, was hier geschah, weil die Aussicht in den Garten so zauberhaft war.

Wir aßen nur Gekochtes und Bananen. Die leckeren Pfannkuchen und erst recht die Äpfel konnten wir mit den zur Verfügung gestellten Messern nicht schneiden. Ach ja richtig, hier isst man ja eigentlich mit den Fingern.

Und dann ist es passiert. Unsere Nachbarin rutschte auf den glitschigen nassen Fliesen vor den Zimmern aus und verletzte recht heftig ihren Arm.

Wir liefen zu den interessanten Gemäuern, den Palästen und Tempeln aus dem 17. Jahrhundert, zum Mahal hinter der Brücke, wo uns unzählige Guides auflauerten. Es war nicht ganz einfach ihnen klarzumachen, dass wir uns die Namen der vielen Herrscher, deren Grabmäler, die Chattris die das Ufer des Betwaflusses zieren, sowieso nicht merken können und außerdem alles in den Reiseführern genauestens beschrieben ist. Eigentlich wollten wir hier auf dem Lande ja nur mal etwas die himmlische Ruhe genießen, nach dem Spektakel der letzten Tage.

„Indien, das Land der Gegensätze“, kam mir beim Anblick des stinkenden Lakshmi Tempels mit Fledermauskacke, wofür man sogar Eintritt bezahlen soll, in den Sinn. Warum soll Lakshmi, die Göttin der Schönheit und des Wohlstandes, die nur hell erleuchtete Häuser besucht, um Glück und Wohlstand zu bringen, da wohnen?

Im Schulhof werden hier sogar Wildschweine gehalten. So werden die weggeworfenen Pausenbrote der Kinder wenigstens richtig verwertet.

Auf dem Rückweg bummelten wir über den bunten, quirligen Basar, kauften Geschenke, Obst usw. und fotografierten eine Bananensaftmaschine.

KosmetikstandOrchha

Hinter dem Marktplatz befand sich ein kühler Klostergarten, in dem die Menschen Picknick machten. Wir beobachteten, wie sich einige Affen anschlichen und einer ihr Essen klaute. Es gab ein großes Geschrei auf beiden Seiten und als ich dann noch mehr hungrige Affen mit gewaltigen Zähnen in den Bäumen entdeckte, verkrümelten wir uns schleunigst.

Wir beobachteten die Inderinnen in ihren hübschen bunten aber unpraktischen Saris. Sie mussten sich alle paar Minuten ihre wegrutschenden Dupattas (lange Schals) zurecht zupfen und mit ihrem Saum kehrten sie die Kuh-, Ziegen- und Menschenfladen auf.

Einige Jungen bewarfen zu ihrem Vergnügen Hunde mit Steinen, hörten aber auf, als ich mit ihnen schimpfte.

Eigentlich wollten wir ja in die schönen Bettwa- Bungalows bewohnen, die hier am Anfang gezeigt werden:

Auf diesem Video sieht man kurz nach 6:00 sehr schön einen von den richtigen indischen Geiern, die wir bereits von unserem riesigen Flachdach in aus der Ferne um die Paläste fliegen sahen.

Abends wollte ich nach dem Duschen neue trockene Handtücher holen, bekam aber nur stinkende und schmuddelig aussehende. Nur gut, dass ich mein eigenes, duftendes, buntes Handtuch im Notfallkit hatte.

Scheiße in Lucknow

An unserem letzten Tag in der 2 Millionenstadt Lucknow fuhren wir morgens schon zeitig los und sahen überall die Menschen auf der Straße ihre Morgentoilette verrichten. Haare wurden geschnitten, Ohren geputzt und dann stank es auf einmal fürchterlich. Aus einem Rohr wurde Scheiße entleert. Es war mir ein Rätsel, wieso es dort Zuschauer gab.

Scheißbrühe

Aber dieser Tag hatte es in sich. Als ich fasziniert die Silhouette der Chota Imambara
mit meiner Kamera einfangen wollte passierte es: ich landete mit meinen Treckingschuhen in einem saftigen Kuhfladen und brauchte eine Weile, bis ich die wieder im Gras des Parks verteilt hatte.

Über den Wasserbecken flogen unzählige große Libellen herum, weil es bald Monsunregen geben würde.

Damit ich nicht allzuviel belästigt werde, hatte ich mir große Mühe gegeben, mich so zu verkleiden, dass ich nicht als Europäerin erkannt werde. Ich trug, wie viele Inderinnen eine lange Kurta zu dunkler Hose und eine Dupatta, den obligatorischen langen Schal mit vielen Verwendungsmöglichkeiten, den die Inderinnen immer um ihren Hals schlingen und ein muslimisches Kopftuch, damit meine hellen Haare nicht darunter hervor wehen. Aber irgendwie fiel ich doch auf und so kamen ständig irgendwelche Personen, hauptsächlich Kinder und wollten mit aufs Bild und wollten wissen woher wir kämen, wohin wir gingen, ob wir zufällig einen Kugelschreiber übrig hätten ….

Später wollten wir noch einige Einkäufe in einer Mall erledigen. Zuerst mussten wir dort Eintritt bezahlen. Dann fuhren wir in die Tiefgarage, wo uns lauter Polizisten mit Metallsuchknüppeln erwarteten. Bei Andis Kamera piepsten sie und nahmen sie ihm ab. Es könnte eine Bombe drin sein.
In der Mall gab es kaum Läden und die Preise waren höher als in Deutschland. Wenigstens gab es dort unsere dicht versiegelten Wasserflaschen.

Wahlplakat

Auf der Rückfahrt kamen wir an lauter Wahlplakaten vorbei. Ratet mal, wen ich wohl wählen würde!