Tag-Archiv | Frankreich

Urlaub im Hause der Adam`s Family

Olonne, das bei den Kelten einst Ol ona hieß, weil es wie ein aus dem Wasser ragender Hügel aussah, zeichnet sich heutzutage durch ein wirres Straßenlabyrinth ohne gerade und parallele Straßen aus, in der sogar Straßenschilder gar nicht oder falsch angebracht sind. So war es kein Wunder, dass das Navi das Auto quer durch die Pampa über Holperstrecken zu meiner Unterkunft führte.

Ich landete auf meiner Suche nach Abwechslung und Kontrast in der wilden Küstenlandschaft von Château d’Olonne ausgerechnet im Hause der Adams` Family, gleich neben dem Flugplatz.

Vierzehn Tiere, nebst ihren beiden Besitzern, lebten zuvor in diesem Haus.

Gleich in der ersten nebelverhangenen Vollmondnacht glaubte ich das lange Tuten eines Nebelhorns zu hören. Es war wie das Rufen aus einer anderen Welt.

Schlaftrunken torkelte ich in den mondbeschienenen Garten und sah, wie eine tote Maus in meinem durch das Mondlicht hell erleuchteten Swimmingpool badete. Überall in den Büschen wandelten Naturgeister umher:

In den nächsten Tagen gingen noch viele Spinnen in den Freitod. Aber es nützte ihnen auch nichts, dass sie immer zu zweit badeten. Sie konnten einfach nicht schwimmen.

Fritz und die Zeder in Tours

Um mich auszuruhen ging ich in den Garten aus dem 19. Jahrhundert des Musee des Beaux-Arts (Museum der schönen Künste), dem ehemalige Palast der Erzbischöfe von TOURS.

In einer zweihundert jährigen libanesischen Zeder, die 1804 gepflanzt wurde, hüpften jede Menge Baumgeister herum und machten sich über die die Touristen lustig.(30 m Höhe, 30 m Umfang des Baumes, Umfang Stamm 7 m).

verzauberte Zeder

Sie versuchten den berühmten Fritz in einem Seitengebäude aufzumuntern und wisperten seine Geschichte:

1902 tourte der amerikanische Zirkus Barnum und Bailey mit hunderten von Tieren durch Europa. Fritz war der König der Tiere und kam aus Indien. Er war ungefähr 3 m hoch, brachte 7 Tonnen auf die Wage, hatte 1,5 m lange Stoßzähne und wurde 8o Jahre alt.

Weil er in Bordeaux einen Angestellten getötet hatte, wurde er an zwei andere Elefanten angekettet. In Tour an der Loire gab ihm jemand eine brennende Zigarre in den Rüssel. Weil er daraufhin wild durch die Straßen raste und alles zerstörte, wurde er getötet, präpariert, und hinter das Glas gestellt, wo ich ihn so traurig vorfand.

Beim Bahnhof von Victor Laloux war der Vorplatz schön bepflanzt und Wasser rann zur Kühlung über die heißen Parkdächer.

Bei meiner Weiterfahrt zum Atlantik konnte ich am nächsten Morgen auf der Schnellstraße die Neustadt an mir vorbeirasen sehen.

Le Vieux TOURS

Das Alte Tours mit seinen mittelalterlichen Fachwerkhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert, den alte Cafes und Geschäften fand ich sehr beeindruckend. Überall auf den Fassaden krochen Figuren herum.

Le Vieux Tours

Viele Stadthäuser waren aus dem 14. und 15. Jahrhundert und auch aus der Renaissance.
In der Rue Briconnet standen Häusern aller Stilepochen fröhlich aneinandergeschmiegt.

Durch die “ Passage du Coeur Navre “ (des beklommenen Herzens) wurden einst die zum Tode Verurteilten zur Hinrichtungsstätte geführt und wenn man genau hinhört, wispert und flüstert es aus den alten Häusern, dass die Inquisitoren aus dem Mittelalter wieder da seien, getarnt als Banker, Politiker und Geschäftsleute, Wölfe im Schafspelz…

In der Kathedrale, einem beliebten Pilgerziel, liegen die Gebeine des Heiligen Martin, dem dritten Bischof von Tour.

Er hielt sein Mäntelchen nicht nach dem Wind, sondern wickelte es um einen frierenden Armen um ihn vor dem kalten Wind zu schützen, der auch damals schon wehte. Dabei kümmerte er sich nicht um die Vorschriften, die ihm ein solches Tun verboten hätten. Römischen Armeeangehörigen war es nämlich nicht erlaubt, Heereseigentum zu zersäbeln und zu verschenken.

Hier habe ich Martin früher schon einmal erwähnt:

http://dschjotiblog00.blog.de/2013/10/07/amma-martinusweg-16508166/

Ich bestaunte nicht nur die Basilika des heiligen Martin, die Kathedrale Saint Gatien, die dem Heiligen Gadatius geweiht ist, sowie die Abtei-Kirche Saint Julien, sondern auch die Erklärungen der mittelalterlichen Theologen, nach denen Tücher, die auf die Knochen des Heiligen Nikolaus gelegt wurden, deutlich schwerer wurden, weil sie sich über Nacht mit »virtus« vollgesaugt haben. Bei meinem Geldbeutel hat das aber leider nicht funktioniert.

In der leeren Krypta war es bei den Reliquien und beim Kerzenlicht richtig unheimlich und ich hatte das Gefühl in einem überfüllten Raum zu stehen. Als ich wieder oben bei den bunten Kirchenfenstern war, übertönte die Beichte aus dem Beichtstuhl das klagende Gewisper aus der Krypta, weil der Beichtvater vergessen hatte die Türe zu schließen.

Gargouilles, Spione auf der Kathedrale von Tours

Auf meinem Stadtpaziergang durch Tours kam ich an vielen eindrucksvollen Gebäuden im Renaissance- Stil vorbei. An vielen alten Gebäuden begrüßten mich alle Arten von Fabelwesen.

Gargouilles

Überall traf ich auf uralte Kirchen mit Gargouilles, den französischen Wasserspeichern die das Regenwasser an romanischen und gotischen Kirchen ableiten.

Diese uralten Drachen- und Dämonengestalten, die mit den Fledermäusen verwandt sind, sind vampirartige Wesen, die bewegungslos auf den Kirchendächern sitzen und die Gegend überwachen.

Ich finde die Gargouilles übrigens viel hübscher als unsere modernen Überwachungskameras.

Die meditierenden Gorillas in Tours

Affen von Tours

Auf meiner Reise zum Atlantik übernachtete ich in Tours und fuhr deshalb mit der Tram zur Loire um die Stadt zu besichtigen.

Der Stadtname kommt vom gallischen Stamm der Turonen. Tours hieß früher einmal Caesarodunum (Cäsarenhügel).

Beim Bummel entlang der Loire luden mich diese Gorillas zur Meditation ein. Sie schafften es sogar, sich trotz ohrenbetäubender Musik, in tiefe Versenkung zu begeben.Bei meiner Rückkehr hatten sie sich um keinen mm bewegt.

Aiguillon sur mer 2007

So einen ruhigen Ferienort habe ich Ende August selten erlebt:

Ich fühlte mich wie auf einem anderen Planeten. Außer dem Meer waren da noch zwei Süßwasserseen. Obwohl es jede Menge Ferienhäuser und Campingplätze gab, trafen wir nur selten mal Leute, dafür umso mehr Vögel.

Der Strand sah jedesmal anders aus, was natürlich von den wunderschönen Sonnenuntergängen und auch von den Gezeiten abhängig war.

Peáge-Stationen, Tankstellen und Routenplaner

Auf der Rückreise krähte mitten in der Nacht auf der Autobahn die schrille Stimme unseres Routenplaners: „ Sie befinden sich in einer Sackgasse, bitte Wenden!

Und dann standen wir standen wir plötzlich vor einem Ungeheuer:
Wir standen dann nämlich vor einem blöden Automaten. Bei „tickets“ steckten wir unser ticket rein, das wir an der Einfahrt bekommen haben. Bei „billets“ kam der Geldschein rein und in dem kleinen Schlitz verschwand unser Kleingeld.

Es gab auch noch verschiedene andere Schlitze und Beschriftungen, wo wir nichts reinstecken sollten. Obwohl das ewig dauerte, weil wir zögerten und hofften alles richtig zu machen, ging plötzlich die Schranke hoch und wir gaben Gas, damit die Schranke nicht plötzlich wieder runterkam.

Wir hofften, dass bei der nächsten Peage-Station nicht wieder so ein Ungeheuer war, wir hatten nämlich unser Kleingeld irgendwo im Gepäck im Auto, aber wo?

Aber wir hatten Glück und beim nächsten Häuschen kam eine menschliche Hand heraus und nahm unseren 50 €- Schein und eine menschliche Stimme flötete: „Au revoir“.

Wir sausten glücklich durch die Schranke, dann ging es wieder los: „jetzt links abbiegen“!

Als nächstes brauchten wir Benzin.

Nach der Überraschung bei unserem letzten Frankreichurlaub, als es nachts plötzlich nur noch Benzin gegen Ausweis gab und man genau wissen musste, wie viel Benzin noch in den Tank passt, tankten wir diesmal immer öfter und immer weniger.

Ein Macroglossum Stellatarum „tankte“ auch gerade auf. Luftbetankung nennt man das. Dieses flog mit Geraniensaft. Nach dem Ansaugen rollte das Taubenschwänzchen seinen Rüssel einfach wieder ein. Vielleicht kann man ja auch aus Geranien Benzin machen statt aus Raps?

Nervensägen in der Ferienhausanlage

In der Abendluft hing der Duft von Fisch und Zwiebelrostbraten – jeden Abend! Ich stellte mir vor, wie viele arme Tiere daran glauben mussten. Schließlich könnte man in Frankreich ja auch mal ein Käsegericht essen!

Dass einige Menschen nicht kochen können und deswegen jeden Tag grillen, weiß ich ja schon von unseren Nachbarn, aber dass jemand ausgerechnet eine Fischdiät macht?
Ich nehme mal an, das war gar kein Fisch, denn es stank irgendwie fischiger als Fisch.

Muschelsucher

Wahrscheinlich war die Urlaubskasse leer und es waren selbstgefangene Meerestiere:

Qualle

Als es anfangs mal leise war, konnten wir die Handytelefonierer, die sich zur Wendeplatte schlichen, beobachten. Ein Mann, dessen Frau inzwischen abwusch oder die Kinder ins Bett brachte telefonierte lautstark mit seiner Freundin. Eine Frau die nicht merkte, dass sie während des Telefonats mit ihren Füßen seltsame Spiele mit den Steinen auf dem Boden machte, die Rinde der Bäume abriss usw.

Es gab zwar einen schönen großen Kinderspielplatz, aber leider keinen Boolespielplatz. Dazu wurde die Wendeplatte vor unserem Haus ausgewählt. Pünktlich zum Abendessen kam zunächst der, der immer nur mit sich alleine spielte. Die anderen konnten ihm nicht das Wasser reichen:

Dann kamen die Riesenfamilien mit 10 Leuten, die sich zu dem Geklappere ihrer Kugeln noch kräftig anfeuerten und dann wollten die anderen auch mal Krach machen und wetteiferten mit den verschiedenen Ballspielen. Die Väter knallten wieder besonders laut, um ihren Kindern zu zeigen, dass sie es besser können.

An diesen Ferienorten am Meer werden die Väter zu Kindern und die Kinder zu Familienoberhäuptern.

Die Hunde gingen mit Frauchen oder Herrchen spazieren oder wurden einfach im Ferienhaus eingesperrt, weil sie ja nicht an den Strand dürfen.

Eine Französin hatte mit ihrem Einspruch, dass ihr Hund ja ganz klitzeklein sei, Erfolg und so durfte sie ihn auf dem Arm zum Strand tragen.

Andere mit einem großen Hund weigerten sich einfach und dann wusste der Strandwächter auch nicht weiter. Er wollte schließlich nicht gebissen werden.
Am nächsten Tag fiel dann eben der Aufschrieb über die Wasserqualität schlechter aus. Aber wer liest das schon? Die Eltern des Kindes, das in den Hundehaufen gefallen ist, wussten eh nicht, von welchem Hund der war und kannten den Hundebesitzer auch nicht.

Samstags war An- und Abreisetag. Da knallten die Autotüren auf der Wendeplatte pausenlos ab 7 Uhr morgens.

Am nächsten Tag hörte es sich nach Baustelle an, etwa so als ob ein Dach neu eingedeckt wird. Es gab dieses Mal schon zum Frühstück „battre de tambour“, einen stundenlangen Trommelwirbel von 4 Personen:

Den durften wir nun täglich genießen, wenn wir nicht wie die anderen Urlauber Reissaus genommen hätten.

Dazu jodelte dann noch ein Barde mit Gitarre in den Abendstunden,

Mit Unterbrechungen, weil er die zum Lied gehörenden Noten zuerst suchen musste.

Einige Male war es aber auch so ruhig, dass ich auf der Terrasse meditieren konnte. Dann nämlich, wenn Neptun Mitleid mit mir hatte und die Wendeplatte unter Wasser setzte:

Ferienanlage unter Wasser

Zuhause hörte ich dann, dass es in einer Campinganlage am Comer See, mit besoffenen Jugendlichen noch viel schlimmer gewesen sein musste. Die haben in ihrem Suff sogar hinters Zelt der Nachbarn gepinkelt, weil sie das Clo nicht mehr fanden und sie waren so laut, dass keiner mehr schlafen konnte. Erst am nächsten Tag flogen sie dann aber raus.

Der Strand von Saint-Gilles-Croix-de-Vie

Der Strand von Saint Giles war schon bei Flut sehr interessant, mit seinen vielen verschiedenartigen Felsen und Badebuchten.

Felsenstrand Saint Gilles

Bei Ebbe jedoch kamen dunkle Höhlen und kleine Felsen zum Vorschein, auf denen man sich ausruhen konnte.

Wir konnten Algen betrachten:

Meeresschwimmbäder, die das Wasser zurückhielten, wurden gerne von Kindern, wenn Ebbe war benutzt. Warnschilder wiesen auf die spitzen abgebrochenen Muscheln an den Mauern hin, an denen man sich verletzen konnte, vor allem wenn man bei Flut die Mauern nicht sah.

Oben über den Klippen führte ein schöner Spazierweg entlang, von dem man einen schönen Ausblick auf die Hunde am Strand hatte und überall führten Treppen nach unten, mit Hundeverbotsschildern!

Bauvorschriften gab es wohl keine, hier baute jeder wie er wollte, ob es passte oder nicht.

Es gab auch noch schöne alte Häuser

Villa in Saint-Gilles-Croix-de-Vie

und neue, originell bepflanzte Häuser:

bepflanztes Haus

Bei Ebbe kam dann zutage, was alles unter Wasser war:

Sonnenuntergang am Strand von Saint Hilaire de Riez

Wir liefen oft noch abends zum Strand, um die besonderen Sonnenuntergänge am Atlantik zu beobachten. Wir kamen dann immer an diesem Vergnügungsplatz vorbei, dessen Neon-Palmen tagsüber hässlich und ausgeblichen aussahen:

Des Nachts träumte ich von einem umgekehrten Fußabdruck im Sand am Strand. Am Tage darauf fand ich dann einen derartigen Stein und legte ihn in eine Spur. Dann beobachtete ich, was geschah:

Viele Menschen, die am Strand entlang spazierten kamen vorbei. Wo die wohl alle hinsahen?

Fußspuren

Niemandem fiel etwas auf. Dann kam eine Familie mit einem Hund, der eigentlich nicht hätte dort sei dürfen. Er lief schwanzwedelnd auf diesen Stein zu und beschnupperte ihn ausführlich. Er war ganz aufgeregt und schien sich sehr zu wundern. Selbst als er von seinen Leuten zum weitergehen gerufen wurde, ging er nur widerstrebend mit.

Langsam veränderte sich die Atmosphäre. Vogelschwärme sammelten sich in den Büschen um die Nacht gemeinsam irgendwo in den Büschen in den Dünen zu verbringen.
Ich beobachtete drei ganz verschiedene Vögel (Möwe, einer mit einem langen Schnabel und ein ganz kleiner), die sich zur Futtersuche zusammengeschlossen hatten, gemeinsam in den Algen am Strand wühlten und sich erst als es schon recht dunkel wurde voneinander trennten.
Verschiedene Vogelarten flogen zu mehreren oder in Paaren nach Westen zu ihren Schlafplätzen.

Zuletzt flogen die Möwen aufs Wasserhinaus, wo sie die Nacht zubrachten.