Tag-Archiv | Goethe

Flüchtlingskinder zu Goethes und Beethovens Zeiten

Marmotte xy

Murmeltier heißt auf französisch marmotte. Ich kenne sie eigentlich nur von Postkarten oder Tierfilmen aus der Schweiz.

Doch als ich zu »Avec que la marmotte« in den Mai hinein tanzte und mir dazu Gedanken zu dem Text machte, erfuhr ich dass Goethe den Text des Marmottebuben für das Theaterstück „Jahrmarkt in Plundersweiler“ schrieb und Beethoven das Lied vertonte:

https://www.youtube.com/watch?v=wdJZEqYaXEc

 Ich komme schon durch manche Land,

avec que la marmotte.

Und immer was zu essen fand,

avec que la marmotte

. Refrain: Avec que si, avec que la, avec que la marmotte. Avec que si, avec que la, avec que la marmotte.

  Ich hab‘ geseh’n gar manchen Herrn,

avec que la marmotte.

Der hat die Jungfrau gar zu gern,

avec que la marmotte.

Refrain:

 Hab‘ auch geseh’n die Jungfer schön,

avec que la marmotte.

Die täte nach mir Kleinem seh’n!

avec que la marmotte.

Refrain:

 Nun lasst mich nicht so geh’n, ihr Herrn,

avec que la marmotte.

Die Burschen essen und trinken gern,

avec que la marmotte.

Refrain:

Es geht hier um die Wander- und Flüchtlingskinder aus Savoyen und der Schweiz, die mit dressierten Murmeltieren als Straßenmusikanten mit der Drehleier und auf Jahrmärkten auftraten um zu überleben. Niemand wollte sie haben und deshalb wanderten sie immer weiter, manche bis nach Schweden.

Im 19. Jahrhundert wurde es dann schick, mit den Murmeltieren spazieren zu gehen und die Wände der Salons wurden mit Gemälden von weinenden und zerlumpten Bettelkindern mit Murmeltieren geschmückt.

Leipzig im November

Am Buß- und Bettag schrieb ich nach Hause:

„Scheene Grieße aus Leipzsch
Hier gibd‘s 3 Meere
Frieh das Nääbelmeer
Middachs das Häusermeer,
un´aahmds gar nischd meehr.“

Auf den Straßen entdeckte ich von den halben Million Einwohnern am Abend des Buß- und Bettages nur ein paar unfreundliche Jugendliche.

In der mit Graffitis vollgeschmierten Straßenbahn, die Richtung Stadt fuhr saßen einige Zombis, die mir solche Furcht einflößten, dass ich schon an der 2. Haltstelle ausstieg und durch die komische Gegend mit teils leerstehenden Häusern zurücklief zu unserem Hotel.

Straßenbahn 3 in Leipzig

Bei Tag sah es aber schon besser aus. Freundliche Leipziger erzählten, wo es schön sei und wie man am besten in die Stadt kommt usw.

Überall waren schöne renovierte Jugendstilhäuser und viele Häuser waren bemalt:

Häuser in Leipzig

bemalte Häuser Leipzig

Alte Turnschuhe und ausgelatschte Slipper hingen von einem Stahlgerüst herab. Leider wird dieses originelle Kunstwerk durch ein Inter City Hotel ersetzt werden:

Schuhgerippe

Jetzt weiß ich, was die Bank mit unserem Geld gemacht hat:

Commerzbank Leipzig

Touristen gab es noch nicht so viele, weil der Weihnachtsmarkt gerade erst aufgebaut wurde:

Weihnachtsmarkt Leipzig

Goethe, den ich gerne getroffen hätte, schlief wohl noch, weil Auerbachs Keller erst gegen Mittag öffnete:

Das Cafe´ „Zum arabischen Coffee-Baum“ aus dem 16. Jahrhundert, in dem ich mit Goethe, Lessing, Liszt, Wagner, Schumann, Napoleon….. ne, mit dem lieber nicht!!! also mit diesen Stammgästen wollte ich dort mal einen Kaffee trinken. Es war leider auch noch zu. Schade!

Café Baum Leipzig

Ich tröstete mich nebenan im Jugendstilcafé mit einem leckeren Kakao.

Leider konnte ich nicht so lange bleiben um alle Sehenswürdigkeit zu genießen, aber vielleicht klappt es ja ein anderes Mal wieder.