Tag-Archiv | Gopi

Fahrt von Agra nach Delhi

Indien kennen- und schätzen zu lernen hängt auch davon ab, wie viel man mit Humor nehmen kann, wie viel man ertragen und ausblenden kann vom Elend und Schmutz und wie weit man sich einlässt auf Indiens negativen Seiten.

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Leprakranke haben wir jedenfalls keine mehr auf der Straße gesehen. Sie (mit offener Lepra) sind heutzutage in speziellen Krankenhäusern untergebracht. Wir fuhren in Delhi auch an schönen Krankenhäusern vorbei, die sich allerdings nur die wohlhabenden Patienten leisten können.

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Unsere Sinne, die uns vor Täuschung und Betrug bewahrten, wurden geschärft und unsere Intuition verbesserte sich ebenfalls. Wir beobachteten mehr den Körperausdruck und die Mimik, wie es die Inder auch machten und durchschauten die Oberflächlichkeit. Wir konnten uns in dem Gedränge und bei dem Lärm nie richtig entspannen und mussten stets auf der Hut vor Überraschungen sein, aber so stärkten wir unsere Disziplin, besonders beim Essen.

Ich war etwas enttäuscht, weil ich mir Indien eigentlich etwas spiritueller vorgestellt hatte. Wie sollte man in dieser Umgebung meditieren und Kontakt mit dem Göttlichen aufnehmen? Hier regierten Schmutz, Geld und Lärm die Welt.

Wir fuhren an Rinderwahn (in Hindi: Vrindavan), einer Stadt mit 4000 Hare Krishna Tempeln vorbei. Dort hat Krishna die Kleider seiner Gopis gemopst, während sie badeten. Wir sahen aus der Ferne Agbars Grab und in Machura den Jai Guru, den Mandir, wo Krishna geboren wurde.
Im Auto hörten wir schöne Musik von der indischen Sängerin Lata gesungen und lernten von Ram etwas Hindi hinzu.

Krishna fragte seine Mutter einst: warum bin ich schwarz und meine Gopis weiß? Weil du nachts um zwölf geboren bist.

http://dschjotiblog00.blog.de/2010/06/12/krishna-blau-8789151/

Das Hotel haben wir dann nach einem bisschen Suchen mit meinem Stadtplan gefunden und da wir nicht vorhatten, weitere Taxifahrten in Delhi zu machen, freute sich Ram, dass er zu seiner Familie heimfahren konnte und es gab eine herzliche Verabschiedung.

Da wir von der Reise ziemlich K. O. waren, sahen wir erst einmal alles düster und grau.
Wir durften zwar das ganze Hotel besichtigen, um uns ein Zimmer auszusuchen, weil wir nicht in einem vergitterten Zimmer wohnen wollten, aber einige hatten kein Fenster oder das Fenster zeigte zur lauten Hauptstraße hinaus. Dann erklärte man uns, dass die Gitter uns vor den Affen schützen.

Immerhin funktionierte die Dusche, nachdem wir sie repariert hatten und der Fernseher ging auch, nach einigem daran Ruckeln. Dann kam wieder der Handtuchtrick mit dem Bakschisch. Nachdem wir dann endlich bei lautem Rasenmähergedröne unserer Klimaanlage in einen totenähnlichen Schlaf versunken sind und irgendwann wieder erwachten, fühlten wir uns viel besser.

Wir liefen durch den Flur und kamen auf eine Terrasse mit weitem und interessantem Ausblick auf den Hinterhof.

Hier konnten wir uns zwischen Blumen vom Lärm zurückziehen und Libellen und Raubvögel wie Schwarzmilane beobachten, allerdings war es unglaublich heiß hier. Als ich mir einen Stuhl von der Terrasse mit ins Zimmer nehmen wollte, weil dort keiner war, stellten wir fest, dass der Tisch und die Stühle dort fest im Boden verankert waren.

Rasa Lila, das Spiel der Gefühle

Rasa bedeutet Geschmack oder Essenz und entsteht durch Zusammenwirken der unterschiedlichen Gefühle, die zu einem angenehmen Bewusstseinszustand, einem ästhetischem Erleben führen. Gestik und Mimik sind wesentliche Hilfsmittel, um emotionale Zustände auszudrücken und im Zuschauer ein ästhetisches Erlebnis, Rasa genannt, zu erwecken.
Rasa stammt aus dem Sanskrit und wird in der klassischen indischen Kunstbetrachtung verwendet.
Die Künstler wollen im Zuschauer so starke Emotionen aufwallen lassen dass sie RASA erleben, also rasen.

Die schönste Erzählung über den spirituellen Rasa-Tanz Krishnas findet man im Krishnabuch:

Hier tanzt Krishna in der Mitte seiner vielen Gopis (Hirtinnen) der 3 Welten.
Die Gopis konnten die mystischen Erweiterungen Krishnas nicht wahrnehmen, denn Krishna erschien allein vor jeder einzelnen Gopi, und so dachte jede Gopi, die bezaubernde Erscheinung Krishnas tanze nur mit ihr allein. In seinem Tanz zeigte sich Krishnas vollkommener Zauber und in seinen fließenden Bewegungen seine unübertroffene Anmut.

Um das Verlangen der Gopis zu befriedigen, begann Krishna im Takt ihrer Lieder in die Hände zu klatschen. Eigentlich ist die ganze Welt von Krishnas Gesang erfüllt, nur nehmen dies die verschiedenen Lebewesen unterschiedlich wahr. Krishna tanzt, und auch die Lebewesen tanzen, doch es besteht ein großer Unterschied zwischen dem Tanzen in der spirituellen Welt und in der materiellen Welt.
Nur diejenigen, die tatsächliches Krishna-Bewusstsein besitzen, sind in der Lage, sich in Harmonie an Krishnas Tanzen anzupassen. Man muss aus Freude tanzen, und nicht, um ihn zu imitieren oder ihm ebenbürtig zu werden. Indem die Gopis von Krishas Mund Betelnüsse annahmen, drangen sie auf dem spirituellen Pfad weiter vor. Dort wo Krishna sich aufhält ist nichts gewöhnlich.

Und als Krishna sie in Seine Arme schloss und sie mit Ihm tanzten und sangen, vergaßen sie alles. Die Gopis sind Erweiterungen von Krishnas Freudenenergie. Als Krishna die verschiedenen Teile ihres Körpers berührte, fühlten die Gopis, wie sie von spiritueller Energie durchdrungen wurden. Sie wuchsen über sich hinaus, ergründeten Tiefen und erreichten Höhen der Gefühle, unerreichbar für die gewöhnlichen Menschen.

Krishna ist Atmarama, in sich selbst zufrieden. Er benötigt niemand anderen, um glücklich zu sein. Weil sich die Gopis aber danach gesehnt hatten, Krishna als Gemahl zu bekommen, hatte er ihnen diesen Wunsch erfüllt. Dann begannen die Gopis in transzendentaler Freude, Krishnas ruhmvolle Taten und Spiele zu besingen. Ihre Lotusfüße schlugen den Takt, ihre Körper bebten, während sie tanzten und ihr Augen folgten Krishna.

Je länger die Gopis Krishnas Gemeinschaft genießen durften, desto mehr wurden sie, da sie reine Gottgeweihte waren, mit seiner Herrlichkeit erleuchtet.
Wenn Sri Krishna mit den Gopis tanzt und wenn gewöhnliche Lebewesen in der materiellen Welt miteinander tanzen, ist das nicht dasselbe, sondern es besteht ein großer Unterschied.

Die meisten Gopis waren in ihrem vorangegangenen Leben große Weise gewesen, die sich in den Veden auskannten, und hatten den Wunsch geäußert, sich Seiner Gemeinschaft erfreuen zu dürfen.

In der Bhagavad-gita wird bestätigt, dass Krishna im Herzen eines jeden Lebewesens weilt und dass von ihm allein Handlung, Erinnerung und Vergessen kommen.

Die Gopis sind eigentlich Erweiterungen seiner inneren Energie, doch weil Krishna rasa-lila (das Spiel der Gefühle)entfalten wollte, erschienen auch sie wie gewöhnliche Menschen. Um ihnen eine besondere Gunst zu gewähren, entfaltete Krishna Seinen Rasa-lila-Tanz. Die Gopis, die mit Krishna tanzten, befanden sich nicht in ihrem materiellen Körper. Sie tanzten in ihrem spirituellen Körper mit Krishna. Währenddessen dachten die sogenannten Ehemänner der Gopis, dass ihre Frauen an ihrer Seite schliefen. Die Körper der Gopis, die ihren Ehemännern gehörten, lagen im Bett; es waren die spirituellen Bestandteile Krishnas, die mit Ihm tanzten. Krishna ist die höchste Person, das spirituelle Ganze, und er tanzte mit den spirituellen Körpern der Gopis.

Wer die Schilderung des Rasa-lila hört, wird auf die höchste Ebene des spirituellen Lebens erhoben.

So geschah es in dieser Nacht, daß die Gopis Krishna als ihren geliebten Gemahl in die Arme schließen durften, doch diese Nacht war keine gewöhnliche Nacht. Es war eine Nacht Brahmas, die Millionen und Abermillionen von Jahren währt (4 300 000 x 1000 Sonnenjahren).
Quelle
http://www.harekrsna.de/rasa-tanz.htm

Dance of Divine Love:

Ode an die Lotusfüße Krishnas: