Tag-Archiv | Indien

Wie Naturgeister Dämonen vertreiben

Während ich meditiere und weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft weile, sondern das Geheimnis des Augenblicks genieße, höre ich eine leise Melodie aus der Mitte meines Gartens dringen.

Ich befinde mich in der Realität des Mystischen und nehme wahr, wie die Naturgeister Hymnen zur Göttin singen, während die Blüten ihren süßen Duft verströmen, die meine Seele bereichern und meine Sinne beflügeln.

Dämon

Sie lobpreisen die Göttin und singen davon, dass sie helfen soll, die fremdartigen und destruktiven Gedanken und Gefühle wie Unzufriedenheit und Angst, die in unser Denken eindringen wollen, zu bekämpfen.

Oh Göttin wecke mich aus dem Schlaf der Illusionen, damit ich die leise Stimme meines Herzens vernehme und meine Seele wachsen kann um Freude & Leichtigkeit zu verspüren:

In Indien wird das Stotra oder Stotram in Sanskrit gesungen, damit z. B. die Göttin Durga gegen den Büffeldämonen Mahisha kämpft:

http://shravanmanyam.blogspot.in/2014/02/MahisasuraMaridini.html

Prinzessin Dschjoti im Sikh-Tempel

Um einen Gurudwara = (Tor zum Guru) zu besuchen, muss man sich nicht einmal dem Stress nach Indien fliegen zu müssen antun:

http://dschjotiblog00.blog.de/2011/02/22/heilige-scheisse-frauen-duerfen-begleitung-turm-10660978/

So einen Sikhtempel, in dem Gäste herzlich willkommen sind, gibt es auch in Stuttgart. Jeden Sonntag um 12 Uhr wird hier gefeiert:

Hinter dem Eingang zog ich meine Schuhe aus und stellte sie in ein dafür vorgesehenes Regal. Ich wickelte mir einen dünnen Schal um mein Haupt. Es lagen auch Tücher zum Ausleihen in mehreren Farben bereit. Dann wusch ich mir die Hände.

Ich folgte einigen Sikhs in den Tempelraum, der mit schönen Teppichen ausgelegt war. Vor dem Heiligtum verbeugte ich mich etwas und blieb eine Weile stehen, um die fremdartige Energie, zu spüren.

Später beobachtete ich, wie die Gläubigen ihren Respekt erwiesen, indem sie sich sogar bis zum Boden hinunter verneigten. Einige warfen in den Kasten vor dem Altar Geld ein.

Hinter dem Heiligtum hing das Nishan Sahib, das goldene Sikh-Zeichen an der Wand. Der stählerne Ring stellt die Einheit Gottes dar, das zweischneidige Schwert Wahrheit und Gerechtigkeit. Die beiden gekreuzten Krummschwerter umgeben das Ganze als Zeichen seiner Allmacht.

Ich erfuhr, dass es sich bei dem Heiligtum unter der Bettdecke um den AGGS, den Adi Guru Granth Sahib handelt. Als ich mich wunderte, dass da ein toter Guru drunter liegt, erklärte man mir, dass dieser Guru nur ein Buch mit ca. 6000 Strophen in 31 verschiedenen Melodienfolgen sei.

Der Fliegenwedel, einem Symbol der Autorität wird ehrerbietig über dieser heiligen Schrift bewegt, um die Insekten zu vertreiben wie man es einst bei den menschlichen Gurus machte.

Ich kuschelte ich mich in die Mitte des Raumes zwischen die Falten eines Teppichs und wartete, bis sich rechts von mir die Männer mit ihren Turbanen in allen Farben und Formen und links die Frauen in wunderschönen Saris mit ihren Kindern niederließen. Die meisten saßen im Schneidersitz.

Jedem wurde Parshad, ein süßes Teigbällchen überreicht.

Dann begannen zwei Mädchen spirituelle Melodien (Kirtans) mit heiligen Worten so zu singen, dass ich ganz hingerissen davon war und langsam mit der Melodie in andere Welten entschwebte.
Dazu spielten sie das indische Harmonium und wurden von einem Tablaspieler begleitet.

Sikh bedeutet Schüler. Im 15. Jahrhundert gründete der Wanderprediger Guru Nanak in Nordindien eine monotheistische Reformbewegung, die Hinduismus und Islam verbinden sollte. Weltweit gibt es jetzt mehr als 27 Millionen Anhänger und alle gelten als gleichwertig, weshalb auch alle Männer den Namen Singh (Löwe) tragen und alle Frauen den Namen Kaur (Prinzessin).

Sie versuchen ein moralisches und spirituelles Leben im Einklang mit der Schöpfung zu führen. Die Gläubigen lassen ihre Haare wachsen und die Männer ihre Bärte. Aus diesem Grund und auch weil sie einen Turban tragen, wurden sie schon oft mit Muslimen verwechselt.

Ehrliche Arbeit gilt als ein Weg zur Erlösung:

„Nur der allein, Oh Nanak, kennt den Weg, der arbeitet im Schweiße seines Angesichts und dann mit all den anderen teilt.“ (Guru Granth)

Dschjoti beim Mantrasingen mit Saraswati

Langsam schlängelte sich die alte Fluss- und Fruchtbarkeitsgöttin Saraswati in unseren Meditationsraum.

Später wurde sie als Tochter des Gottes Brahma inkarniert (wiedergeboren) und mit dem Gott Vishnu verheiratet. Der verschenkte sie dann an Brahma, damit sie ihm bei Schöpferaufgaben helfen konnte. Sie schenkte ihm hierfür das Gayatri- Mantra und so konnte er den materiellen Kosmos erschaffen.

Dann wurde sie die Göttin der Wissenschaft und der schönen Künste. Meistens kann man sie bei ihrem Reittier, der Wildgans finden. Am liebsten spielt sie auf der Vina. Damit sie gleichzeitig die Veden und eine Gebetsschnur tragen kann hat sie vier Hände. Die könnte ich auch manchmal brauchen.

Nun hatten wir also die Ehre die Gemahlinnen der drei Weltenschöpfer in unserer Mitte zu begrüßen:

Außer Saraswati besangen wir auch Lakshmi, die Göttin der Fülle und des Reichtums und die Gemahlin Vishnus.

Die Gemahlin Shivas, die Göttin Durga, die die mütterliche Liebe repräsentiert ritt auf einem Tiger.

http://www.youtube.com/my_videos?o=U

Als unser Mantra sich dem Ende zu neigte, schlängelte sich Saraswati zusammen mit Lakshmi und Durga wieder gen Indien, damit die Menschen dort von ihren Sünden befreit werden können, wenn sie von ihrem Wasser trinken. Sie hinterließ uns eine duftende Lotusblüte.

Dschjoti beim Mantrasingen mit Krishna

Nachdem Ganesha wieder davon getanzt ist, hüpfte nun Krishna in unsere Runde. Wir gegrüßten ihn freudig als unseren Beschützer.

Hare ist Krishnas Spitzname, aber eigentlich ist einer seiner vielen Namen Sri Hari und bedeutet, dass er uns die Hindernisse auf dem Pfad zur Erleuchtung hinweg räumt.

Während wir acht zu ihm sangen, erhob er uns mit seiner gewaltigen Stimme in die höchsten spirituellen Gefilde. Deswegen hört man uns und die Violine nur noch leise, aber vielleicht erkennt ihr uns ja auf dem Video wie wir mit dem lotusäugigen blauen Gott mit der Pfauenfeder in seinem rabenschwarzen Haar im Zustand der göttlichen Raserei (rasa lila) tanzen:

Hier habe ich noch etwas über Krishnas Tanz geschrieben:

http://dschjotiblog00.blog.de/2010/02/26/rasa-lila-tanz-goettlichen-liebe-8080279/

Gefahren auf dem Schwanensee

Leda

Dieses alte Meisterwerk Schwanensee von Tschaikowsky aus dem Jahr 1895 hatte mir im letzten Jahrhundert ja mal gefallen, aber …

Vage erinnere ich mich an die Handlung:

Es ist die Geschichte einer verzauberten Prinzessin Odette, die in Schwanengestalt darauf wartet, erlöst zu werden. Aus diesem Bann des bösen Zauberers kann sie nur die wahre Liebe eines Traumprinzen erlösen.

Prinz Siegfried sollte einen Tag nach seinem 21. Geburtstag seine Braut wählen und betrachtete deshalb melancholisch die zauberhaften weißen Schwäne im Mondeslicht. Der Prinz ist vom Liebreiz der Schwanenkönigin Odette überwältigt und schwört ihr ewige Liebe und Treue um sie zu erlösen.

Am nächsten Tag tanzt zwar Siegfried mit den Bräuten, denkt aber nur noch an die Schwanenkönigin. als aber Baron Rotbart und Odile , die aussieht wie Odette, erscheinen, verfällt Siegfried der bösen Faszination der schwarzen Odile und will sie heiraten. Er schwört auch ihr ewige Liebe und Treue.

Abhängig von der Inszenierung stirbt entweder einer von beiden (Siegfried oder Odette), oder beide sterben, oder beide leben glücklich bis an ihr Lebensende….

Die indische Choreografin Vijayalakshmi hatte den Schwanensee aber anders interpretiert:

Die Tänzerinnen haben ihre Spitzenschuhe und die Ballettröckchen ausgetauscht gegen Sari, Mimik und fließendere Bewegungen ihrer Oberkörper, Arme und Finger.

Dieser Tanz ähnelt eher dem klassisch-südindischen Tanz Mohiniyattam als einem klassischen Ballett. Allerdings tanzen hier auch Männer, was im ursprünglichen Mohiniyattam, einem alten Tempeltanz aus Kerala, ja gar nicht geht. Bei diesem Solotanz dürfen die Tänzerinnen nur aus der Nayar- Kaste stammen.

Dieser Tanz beruht auf der Legende um die göttliche Verführerin Mohini, in die sich Shiva verwandelt hat, um die Dämonen mit ihrem Charme zu verzaubern und abzulenken. So konnten dann auch die Götter, also die Devas mit dem Nektar der Unsterblichkeit entkommen.

Shiva und Mohini verliebten sich ineinander und tanzten dann den Mohiniattam, den ‚Tanz für die Befreiten‘.

Shiva wurde von einer machtvollen Begierde erfasst, Mohini zu umarmen. Mohini rannte davon und Shiva rannte ihr nach. Dabei ging sein Bija (Samen) verloren, woraus Sastha geboren wurde.

Im Kulturhaus in Stuttgart Wangen wird der indische Schwanensee morgen aufgeführt:

http://www.gablenberger-klaus.de/2013/03/12/swan-lake-tanz-theater-aus-indien/

Seid aber vorsichtig beim Schwanensee. Auch Zeuss näherte sich Leda in Schwanengestalt…

Durch Mudras mit den Göttern sprechen

kraftvolle Handgesten aus dem alten Indien, stehen als Symbol für bestimmte Eigenschaften und drücken die Energien von Gottheiten aus.

Die Göttin Durga steht beispielsweise für Stärke, Feuer, Zerstörung und Reinigung. Indem ich ihre Geste mit meinen Fingern forme, kommuniziere ich mit ihren Kräften und kann ich mich in ihre Schwingungen einfühlen.

Ebenso falte ich meine Hände, wenn ich bete und kann somit in einen entsprechenden Zustand fallen, dass ich mit dem Göttlichen kommunizieren kann.
Auch durch kräftiges ein- und ausatmen und durch Meditation kann ich dies erreichen.

Die 2000 Jahre alten Fingerhaltungen aus der Natyasastra, die auch für den Tanz verwendet werden, heißen Mudras. In der Meditation verstärken Mudras die entsprechenden Energien.

Ich muss die Gegebenheiten schaffen um das Göttliche in mich eindringen zu lassen, so dass es durch mich wirken kann, sei es im Tanz, beim Malen oder einem anderen Ausdruck.

Das Göttliche kann sich in einem Lebewesen oder einem Kunstwerk, aber auch im Tanz offenbaren.

Wenn ich in diesem Gegenüber ganz aufgehe und mich selbst nicht mehr wahrnehme, kann ich zum Gegenüber werden und genauso empfinden wie dieses. Das ist ein innerer Zustand, in dem das Göttliche ungehindert durch mich hindurch wirken kann.

In Indien sagt man: „Wohin meine Hand geht, dahin gehen meine Augen. Wohin meine Augen gehen, dahin gehen meine Gedanken. Wohin meine Gedanken gehen, da entsteht Ausdruck. Wo Ausdruck ist, entsteht Rasa.“

Hier habe ich versucht Rasa zu erklären:
http://dschjotiblog00.blog.de/2010/02/26/rasa-lila-tanz-goettlichen-liebe-8080279/

Male ich ein Bild, so muss ich den Pinsel in meiner Hand und die Leinwand mit den Augen betrachten um das, was ich in mir spüre auszudrücken. Ich fühle und sehe das Wesen nun ganz genau vor mir, das ich malen will und seine Schwingungen übertragen sich auf mich. Die Hand malt automatisch das was ich empfinde.

Wichtig ist, dass ich mir bewusst bin, dass nicht ich, also mein Ego dieses Kunstwerk aktiv erschafft, sondern das Göttliche durch meinen Körper, meinen Geist und meine Seele wirken kann, weil ich mich ihm hingebe und seine Kraft durch mich hindurch fließen lasse.

Sollen wir in Deutschland auch eine Kumbh Mela feiern?

Nicht nur in verschiedenen Städten in Indien werden hinduistische Wallfahrten, die Kumbh Melas an den großen Flüssen veranstaltet. Alle 12 Jahre gibt es sogar eine Maha, eine Große Kumbh Mela.

“Kumbh” ist der Behälter aus dem den Göttern bei ihrer Jagd einst einige Tropfen des Nektars „Amrit“ tropften. “Mela” heißt Zusammenkunft.

Hier habe ich mehr darüber geschrieben:

http://dschjotiblog00.blog.de/2010/01/17/kumbh-mela-2010-14-januar-30-april-7775715/

Aber auch in Malaysien wird die Kumbh Mela gefeiert:

Warum feiern wir in Deutschland nicht auch eine Kumbh Mela?

Genauso wie der Nebel nicht nur in Deutschland aus den Wassern steigt, wenn nachts die Temperaturen gegen Null Grad Celsius gehen, so steigt er auch in Indien als Dunst oder Nebel aus dem Ganges und kriecht über die Felder in die Städte.

Nebel inTschechien

Der göttliche Tropfen, Amrit verteilte sich schließlich überall auf der Welt, überall wo Wasser ist, ist auch Amrit. Nur müssen wir wieder danach suchen und zwar am richtigen Ort.

Nicht Berlin, München oder Frankfurt sind die Orte an denen sich die Tropfen der Götter befinden, sondern in unseren Herzen.