Tag-Archiv | Karfreitag

Karfreitag 2012

Seit Jahren lausche ich an diesem Tag dem himmlischen Gesang der libanesischen Sängerin Fairuz:

Fairuz- Holy Friday Lamentations :

Aber auch Fadia el Hages „Erbarme Dich“ in arabisch, bringt die Schwingungen dieses Tages klar zum Ausdruck:

Erbarme dich,
Mein Gott, um meiner Zähren willen!
Schaue hier,
Herz und Auge weint vor dir
Bitterlich.

Have mercy Lord,
My God, because of this my weeping!
Look thou here,
Heart and eyes now weep for thee
Bitterly.

Wie es mir einst am Karfreitag in Jerusalem erging, könnt Ihr hier lesen:

http://dschjotiblog00.blog.de/2010/04/01/shabbat-jerusalem-8292390/

Wozu ist ein Hut gut?

Die Jäger trugen den Hut, damit ihr Gesicht vom Schatten bedeckt ist und im Dickicht nicht auffällt. Aber diesen hier sahen wir schon von weitem leuchten, bevor wir den Mann darunter wahrnahmen.

Es war eigentlich kein klassischer Trachtenhut mit einer Kordel aus Hanf verziert wie bei Lodenhüten. Verziert schon, aber mit allem was am Wegesrand wächst und sprießt. Da die Dekoration des steingrauen, spitzzulaufenden Filzhutes mit Holzleim aufgeklebt wurde, war er leider nur bedingt wasserdicht. Das ist schon ein Nachteil, wenn dem Träger schon im April die Schweißbäche herabrinnen.

Klar, es war Karfreitag und da ist in manchen Gegenden, vor allem auf dem Lande ein Trachtenhut für Männer Pflicht. Aber dieser Hut war eben nicht nur eine Kopfbedeckung sondern ein Lebenswerk!

Hut

Gamsbart aus den Rückenhaaren von Gamsböcken, Gamsschwanz und Gamsgeweih, verziert mit Disteln, Früchten, Flechten und in Alkohol eingelegten Kräutern um die besondere rote Farbe zu bekommen. Edelweiß aus dem Allgäu und Pinienzapfen und sogar selbst ausgekochte Weinbergschneckenhäuser waren liebevoll angebracht. Auf der Spitze prangt die selbstgefundene Feder eines Milans.

Eigentlich war der Hut ja früher auch ein Statussymbol und zeigte Gruppenzugehörigkeiten an. Aber zu welcher Gruppe gehört dann dieser Mann?

Shabbat in Jerusalem

Am Karfreitag lief ich mit tausenden von Pilgern aus aller Welt, die der Kreuzigung Christi gedachten und den Leidensweg in der Via Dolorosa abschritten durch die Altstadt von Jerusalem. Einige Pilger schulterten ein Holzkreuz und trugen es über die 14 Stationen des Kreuzwegs bis zur Grabeskirche, wo Jesus von den Römern ans Kreuz geschlagen wurde.

Am Karfreitagabend wunderte ich mich, warum das Klopapier von der Rolle gezupft war und schön gestapelt auf dem Sims lag. Am nächsten Morgen, als ich feststellte, dass weder das Radio, noch das Telefon, noch das Internet funktionierte, in einem 5 Sterne-Hotel, kam ich mir vor, wie in einem Film. Der Aufzug, der mich ins Restaurant bringen sollte, kam ewig nicht und hielt in jedem Stockwerk. Ein netter Eingeweihter erklärte mir, daß ich mich im Shabbataufzug befinde und nicht immer an den Knöpfen herumdrücken soll, weil das Arbeit sei und das am Shabbat verboten sei. Anstatt in den anderen Aufzug umzusteigen, schaute ich ihn nur ganz entgeistert an. Nix kapiert!
Als ich mich bei der Rezeption über die Zustände beschweren wollte, erfuhr ich dann von anderen Gästen, dass Shabbat ist und ich mein Geld auch nicht gewechselt kriege, weil man am Shabbat kein Geld anfassen darf und zwar von Sonnenuntergang am Freitagabend bis Sonnenuntergang am Samstagabend, wegen der Schabbatruh.

Mir standen die Haare zu Berge und angeblich darf man da auch keine Haare bürsten. Machte ja nichts, ich hatte ja für alle Fälle mein Kopftuch dabei und verließ fluchtartig das Hotel um mich im arabischen Viertel umzusehen:

Die Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag

Gründonnerstag ist der Tag des Abendmahles, dem Passahmahl das Jesus vor seiner Gefangennahme mit seinen Jüngern gefeiert hat. Grün bedeutet weinen.

In der katholischen Kirche wird nun an diesem Tag der Altar leergeräumt und die Orgel und die Kirchenglocken müssen nun bis zum Gloria in der Osternacht schweigen. Deswegen fliegen die Glocken in dieser Zeit nach Rom und lassen sich weihen.

Ich flog vor einigen Jahren lieber nach Jerusalem und glaubte in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, ich träumte dort von wunderschöner Engelsmusik im Paradies. Aber ich schlief nicht, ich war hellwach und trat hinaus auf den Balkon um die herrlichen Klänge besser wahrnehmen zu können. Von überall her schallte es von den Muezzins und ihrer Konkurrenz und selbst die Vögel stimmten im Morgengrauen ihr Konzert mit an und ich fühlte mich wie im Himmel: