Tag-Archiv | Kreuzweg

Shabbat in Jerusalem

Am Karfreitag lief ich mit tausenden von Pilgern aus aller Welt, die der Kreuzigung Christi gedachten und den Leidensweg in der Via Dolorosa abschritten durch die Altstadt von Jerusalem. Einige Pilger schulterten ein Holzkreuz und trugen es über die 14 Stationen des Kreuzwegs bis zur Grabeskirche, wo Jesus von den Römern ans Kreuz geschlagen wurde.

Am Karfreitagabend wunderte ich mich, warum das Klopapier von der Rolle gezupft war und schön gestapelt auf dem Sims lag. Am nächsten Morgen, als ich feststellte, dass weder das Radio, noch das Telefon, noch das Internet funktionierte, in einem 5 Sterne-Hotel, kam ich mir vor, wie in einem Film. Der Aufzug, der mich ins Restaurant bringen sollte, kam ewig nicht und hielt in jedem Stockwerk. Ein netter Eingeweihter erklärte mir, daß ich mich im Shabbataufzug befinde und nicht immer an den Knöpfen herumdrücken soll, weil das Arbeit sei und das am Shabbat verboten sei. Anstatt in den anderen Aufzug umzusteigen, schaute ich ihn nur ganz entgeistert an. Nix kapiert!
Als ich mich bei der Rezeption über die Zustände beschweren wollte, erfuhr ich dann von anderen Gästen, dass Shabbat ist und ich mein Geld auch nicht gewechselt kriege, weil man am Shabbat kein Geld anfassen darf und zwar von Sonnenuntergang am Freitagabend bis Sonnenuntergang am Samstagabend, wegen der Schabbatruh.

Mir standen die Haare zu Berge und angeblich darf man da auch keine Haare bürsten. Machte ja nichts, ich hatte ja für alle Fälle mein Kopftuch dabei und verließ fluchtartig das Hotel um mich im arabischen Viertel umzusehen: