Tag-Archiv | Mittelalter

Neidköpfe zur Dämonenbekämpfung

Bei meinen Wanderungen durch die alten Städte erschrecken mich immer wieder diese Fratzen die heutzutage Neidköpfe heißen und an der Westseite von Gebäuden angebracht sind. Sie haben die Aufgabe Dämonen abzuwehren.

Auch in Schorndorf blickten mich etliche dieser Neidköpfe von den stattlichen Fachwerkhäusern her an.

nid hieß im Mittelalter Hass, Zorn oder Neid und wurde im Sinne von „jemandem Schaden wünschen“ verwendet.

Der „bösen Blick“ war gefürchtet, weil er die Milch der Mütter versiegen oder die Babys sterben ließ.

Ein Gorgonenkopf mit gebleckter Zunge, wie das Haupt der Medusa konnte dagegen seit der Antike natürlich Wunder wirken.

Als man nopch kein Mutterkorn kannte, verseuchten natürlich die bösen Hexen und Dämonen auch das Getreide und wurden mit mächtigen Löwenköpfen eingeschüchtert.

Obwohl diese Sitte, Neidköpfe anzubringen, uns zivilisierten und unwissenden Menschen ziemlich makaber vorkommt, gab es davor ähnliche, aber noch viel schauerlichere Bräuche. Da wurden nämlich Haustiere als Opfer in Gebäude eingemauert um vor den bösen Mächten verschont zu bleiben.
Die Kelten hängten zur Abschreckung sogar die Schädel ihrer Feinde um ihrer Bauten.

Stadtkirche Schorndorf von innen

Zum Glück war dieses Mal die Kirchentüre auf, so dass ich einen Blick hinein werfen konnte, bevor die Naturgeister wieder alles verhext hatten. Zwar treiben sie oft viel Schabernack, aber sie haben auch einen Sinn für Schönheit und so lassen sie auch die vielen Mülltonnen und Autos verschwinden, damit die Stadt ansehnlicher wird. Ihr Gesang ist allerdings genauso schräg wie ihr Hexenwerk:

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Das Mysterium von Madonnas Lotusfüßen

Im Mittelalter war es schwierig herauszufinden, ob Maria Lotusfüße besitzt, weil der Saum ihrer Gewänder weit auf den Boden herab reichte und diese nie darunter hervor blitzten.
Schließlich hatte die Königin von Saba auch immer ihre behaarten Schenkel und ihren Eselsfuß zu verbergen versucht, die sie von ihrer Dschinnmutter vererbt bekam…

In dieser Zeit, als auf Kirchenfenstern wiedergegeben wurde, was die Leute zu glauben hatten, mussten sich die Künstler auf die Abbildung von Passionen, Heiligen und Marien beschränken, wenn sie nicht wollten, dass ihnen der Pinsel genommen wurde.

Immerhin konnten ihre Seelen noch zu Maria Zuflucht suchen, indem sie sie als Mutter, Jungfrau, als platonische Geliebte und als Schönheitssymbol verehrten.

Manchmal zeigte sich Maria mädchenhaft zart, ein anderes Mal heroisch.

Je nach Laune des Künstlers kleidete sie sich in ein ärmliches Gewand oder modebewusst prachtvoll.

Passend zur Umgebung, in die sie geflogen war, trug sie wallendes Haar, um zu zeigen, dass sie frei geboren ist, oder eine Krone oder ein Kränzchen und öfter sogar einen Heiligenschein. Als Braut der Kirche musste sie selbstverständlich Brautschmuck und Schleier anlegen.

Manchmal schaut sie sinnlich und verführerisch, ein anderes Mal weltabgewandt und vergeistigt, mit Sai Babas Regenbogen im Hintergrund.

Schüchtern war sie damals wohl auch nicht, da sie sich meines Wissens nie darüber beklagt hatte, dass sie in jeder Situation abgebildet wird, sogar als sie den Jesusknaben verprügelt hatte:

http://dschjotiblog00.blog.de/2010/01/02/jesus-faustdick-ohren-7677634/

Vielleicht forderten deswegen die Kardinäle schon mehrmals Madonnas Exkommunikation?

Wenn sie nicht in die Ecke der dummen Blonden gestellt oder als Milchsuppenmadonna verdonnert werden will, hält sie als Attribut der Gelehrsamkeit ein Buch in ihren Händen und Gott schaut mit rauschendem Bart wohlgefällig auf sie herab.

Gerne lässt sie sich im Rosenhaag oder im Erdbeerbeet, porträtieren, weil die Erdbeere mit ihren 3 Blättern als ein Zeichen für Trinität gilt. Auch pflückt sie gerne duftende Veilchen oder hält Kreuzesnägel als Nelken getarnt in ihren Händen. Wenn sie ihre Keuschheit betont, hat sie immer ihre weiße Madonnenlilie dabei.

Da ihr wohl der Umgang mit gewöhnlichen Menschen nicht so sehr behagte, pflegte sie mehr den Umgang mit Engeln, Heiligen und Königen oder weilte mit Gott im umzäunten Paradiesgarten. Damals, als es noch keine Terroristen gab, war es dort noch einigermaßen sicher. Wenn man mal von der Schlange einmal absieht.

Zuweilen tummelten sich edle Hunde in ihrer Nähe, von denen behauptet wird, dass sie die Predigt hielten. Wenn die Hunde des Künstlers mal nicht so gut gelungen sind und sie abgemagert oder zerzaust aussahen, so wurde einfach erklärt, dass das die Heiden seien.

Mich wundert es nicht, wenn Madonna jetzt mehr der Kabbala zuwendet…

Die Mütter des Lichts

Auf diesem Relief ist das gestorbene Kind abgebildet, das zu Jesus betet:

Verstorbenes Kind

Heute erfährt man den Tod der Nachbarn oft nur noch durch die Zeitung.

Früher gab es die Leichenfrau welche schwarz gekleidet durchs Dorf ging und die Nachbarn informierte, wenn jemand gestorben war. Den Angehörigen spendete dieses Totenweibchen Trost. Sie war auch dafür zuständig, die verstorbenen Frauen und Kinder dort zu waschen, wo sie gewohnt haben, Haare und Nägel zu schneiden und für die Aufbahrung herzurichten.

Als Seelennonne oder Lichtmutter (niederdeutschen Lechtmoder) betete sie für die Toten, damit sie zum Licht finden.

Die erwachsenen Leichen kamen selten und nur wenn sie wohlhabend waren in einen Sarg oder später in eine Truhe.

Die Leichenfrauen brachten Totgeburten und tote Kleinkinder direkt zu den Friedhöfen. Auch mussten sie den schweren Kindersarg zum Grab tragen.
Einmal vergaß der Zimmerer so einen Sarg herzustellen und musste sich sehr beeilen. Deshalb strich er ihn mit wasserlöslicher Farbe Schwarz an.

Da es am Tage der Beerdigung natürlich regnete, wurde die Leichenfrau, die den Kindersarg auf ihrem Kopf zum Grab tragen musste, ganz schwarz im Gesicht. Zum Glück war ihr Gewand sowieso schwarz. Bestimmt wurde das als böses Omen gewertet.

Es gab auch früher schon Leichenordnungen z. b. in Nürnberg im 14. Jahrhundert:

http://www.nuernberginfos.de/nuernberg-mix/leichenfrauen.html

Seit 2003 kann man übrigens eine 3-jährige Ausbildung zur Bestattungsfachkraft machen:

http://www.cosmiq.de/qa/show/668543/Wie-wird-man-Leichenfrau/

Wie Frauen im Mittelalter gebändigt wurden

An unserer Kirche gibt es ein Relief, auf dem Trauernde schön brav nach Geschlechtern getrennt, dargestellt sind. Links der Vater mit den Knaben und rechts die Mutter mit den Mädchen.

Gebende

Die Mutter trägt ein „Gebende“. Das sind ein weißes mit Mehl gestärktes Stirnband mit Kräuselrand und eine Kinnbinde, welche höhergestellte verheiratete Frauen in der Kirche tragen mussten, nachdem sie „unter die Haube“ gekommen waren.

Die Kinnbinde war ganz schön unbequem beim Essen und Sprechen und hat sicher auch gekratzt. Gleichzeitig wurden so auch die Haare „gebändigt“. Nur unverheiratete Frauen durften die Haare offen tragen.

In Frankreich hieß die Kinnbinde kleiner Bart (Barbette) und wurde Mitte des 12. Jahrhunderts Mode.

Hier wird die Mode aus dem Mittelalter vorgeführt und erklärt

Erst nach den Pestepidemien des 14. Jahrhunderts, als die Menschen wieder lebenslustiger wurden, änderte sich diese Mode.

Hier gibt es eine Nähanleitung für ein Gebende:

http://www.tempus-vivit.net/bibliothek/buch/gebende