Tag-Archiv | Nebel

Am See des Vergessens

Traurig war ich auf der Suche nach einem Ort der Ruhe und des Friedens, nach einem Ort an dem ich wieder fühlen kann, nach dem glitzernden See des Vergessens.

Der Dunst schwebte durch das Tal und der Horizont schien sich aufzulösen, als ich stumm und sprachlos einsam am Ufer des Sees entlang lief. Die Atmosphäre war hier äußerst mystisch und gespenstisch, weil der Reif die Farben und Geräusche in eine grauweiße Landschaft reduzierte. Auch die Hügel waren in weißgraue Schleier gehüllt.

Die Zeichen der Natur sprachen ihre eigene Sprache und der Alltag verschwand für eine Weile. Meine Gedanken versuchten den Schleier der Zeit zu lüften, blickten zurück und versuchten vorwärts zu schauen.

https://www.youtube.com/watch?v=xLCoF8Mteso

Ich stapfte über das vermodernde Laub und fühlte den Winter am See zwischen dem Schilf, der wie ein Spiegel in den Tiefen der Seele lag. Die Natur ruhte erstarrt in glänzender Sonne.

Ein einsamer Reiher versuchte sich unsichtbar zu machen und flog davon, als er merkte, dass es ihm nicht gelang. In der Stille vernahm ich wieder die Schreie des Schmerzes.

http://www.songtexte.com/songtext/nenia-calladhan/der-see-des-vergessens-4bf6af96.html

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Wanderung mit Shivas 3. Auge

Mein Navi führte mich in die Zauberwelt Shivas, das im Nebel verborgene Geisterreich um den Tegelberg bei Geislingen:

Nebelgeister

Als ich endlich mit dem Auto über die steile und holprige Straße auf der Kuchalb bei Geislingen oben ankam, war die Landschaft von einem gespenstischen Nebel umhüllt. Dieser Nebel ließ die alltägliche Wirklichkeit immer mehr verschwinden. Naturgeister und Gottheiten wandelten im Nebel umher.

Auch ich streifte wie Shiva, anstatt zu arbeiten, durch den Wald des Tegelberges und gab mich meinen Träumereien hin.

Im dicksten weißen Morgennebel, liegt Shivas geschlossenes drittes Auge, mit dem er alles wahrnimmt. Vom Hindugott Shiva erhielt ich sein 3. Auge, damit ich immer weiß, wo ich bin.

So musste ich mich nicht so sehr auf die Wegzeichen konzentrieren, die im Nebel sowieso nicht zu sehen waren. Aus Dankbarkeit sang ich permanent das Mantra zu Ehren Shivas und die Naturgeister sangen eifrig mit.

„Erdmännle, Erdweible und etliche Fabeltiere versperrten oft die glitschigen Wege. Elfen wisperten, dass sie einst als Maden aus der Leiche des Riesen Ymirs herausgekrochen seien…

Ganz plötzlich und unerwartet tauchten auch Kobolde vor mir auf und posierten für die Kamera. Danach verschwanden sie wieder im Nebel:

Später konnte ich auf meinem Navi die zurückgelegte Strecke nicht mehr anschauen, weil sie wieder vom Bildschirm verschwand.

Aber die Bilder, die ich aufnehmen konnte, sind noch da. Manchmal froren allerdings die Kältegeister meine Finger oder meinen Touchscreen so ein, dass sich nichts mehr bewegte. So konnte ich dann aber auch nicht vom rechten Weg abkommen und die rutschigen Hänge ins Tal hinabstürzen.

Shivaratri Shivas weibliche Hälfte Parvati

Shiva besteht, wie wir Menschen auch, aus zwei Hälften. Beide laden mich mit ihrem lieblichen Lächeln, das ihre Lippen umspielt ein, ihrem jeweils einzig richtigen Weg zu folgen.

Shiva Parvati

Shivas weibliche Hälfte, Parvati, deren Wangen im Purpur der göttlichen Gnade gefärbt sind, ist anmutig und ihr Blick war strahlend wie die Sonne. Sie umgarnt mich mit der Aussicht auf weltliche Freuden und Genüsse.

Shivas männliche Hälfte ist nur mit einem Fell bekleidet. Obwohl sein Antlitz tiefe Verinnerlichung zeigt, funkelt sein Blick wie die Sterne am Himmel, während er mich vor Parvatis honigsüßen und egosteigernden Wein warnte. Wo Freude ist, da ist auch Leid.

Er erinnert mich an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens und lässt mich an meine Tränen und schlaflosen Nächte denken.

Ich erwähne aber auch, dass nicht nur Wege mit Disteln, Dornen und Gestrüpp ins Paradies führen.

Er empfiehlt mir, lieber aus dem kosmischen Milchozean trinken. Sein Reich sei nicht gespickt mit Einsiedlerhöhlen, in denen gefastet wird und wo man sich selbst kasteit. Es lauern in der Einöde auch nicht überall bösartige Dämonen, weil er sie mit seinem Dreizahn alle besiegen würde, meint er. Immerhin stände er ja auf dem Dämon der Unwissenheit. Während er dabei ärgerlich shimmyartig sein Haupt schüttelt, steigt ein wohlriechender Duft aus seinen Haaren. Der Klang Shivashallt durch die Nacht:

Shiva tanzt mit mir die kosmischen Sprünge, Funken schlagen aus seinen Augen, die mich in Ananda, den ekstatischen Zustand, in dem sich das Ego auflöst, bringt. Statt Abhängigkeit fühlte ich Freiheit.

Der Lauf Parvatis Sonne erscheint mir nun viel zu langsam. Shivas Glanz blendet mich und flößt mir Ehrfurcht ein.

Ich küsse seine lieblichen Lotusfüße, die bezeugen, wie gerne er damit über die Erde schreitet und blinzele dabei heimlich unter sein Fell.

In der Mitte seines Antlitzes liegt sein geschlossenes drittes Augen im Nebel, mit dem er alles wahrnimmt. Ich hoffe, dass er es nicht öffnet, denn dann würde er möglicherweise voller Wut mit den Füßen aufstampfen und mit seinem Feuer die gesamte Schöpfung vernichten.

Wintereinbruch

Seit 1997 Ingwer als offizielle Heilpflanze im Deutschen Arzneibuch steht, hemmt er Entzündungen, wirkt gegen Viren und Schmerzen, heißt es.

Ich suchte also im Lebensmittelmarkt Norma nach einem älteren Ingwermännchen, weil ihre Shoagole meine Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut stark erregen und so meine Halsschmerzen davonjagen und meine Verdauung unterstützen sollten.

Ingwermännchen

Da winkte mir schon ein hübsches Exemplar aus der Gemüsekiste zu und wollte mitgenommen werden. Es versprach mir im Kampf gegen die Erkältungsviren unerbittlich zu sein und viele magische Zauberformeln gegen sie anzuwenden. Natürlich ließ es sich auch schön von allen Seiten fotografierten, bevor ich ihm seine Körperteile abschneiden durfte.

Während ich genüsslich meinen Ingwertee schlürfte, dachte ich an die ersten Frostgeister, die nun eingetroffen sind aus Niflheim, der Eiswelt in deren undurchdringlichen Nebelsuppe dunkle zusammenziehende Kräfte wie Zweifel und diffuse Ängste gedeihen. An diesem Ort der Täuschung lebt auch der Drache des Unbewussten, der einem die Energien absaugt. Nidhögg spritzt hier sein Gift in die Wurzeln des großen Tannenbaumes (Lebensbaum).

http://dschjotiblog00.blog.de/2009/12/29/yggdrasil-weltenesche-baum-wissens-7657231/

http://dschjotiblog00.blog.de/2010/12/23/weihnachtsbaum-strahlt-lichterglanz-10246005/

Die Wintergöttin Skadi, deren Name Schatten bedeutet begleitet mich durch die weiße Winterpracht und erzählt mir von ihrem Vater, dem Frostriesen Thjazi und von Ullr, dem bogenschießenden Wintergott.

Am Anfang war das Chaos und Ymir, der Urzeitriese, der aus dem nebeligen Abgrund als Gletscher aufstieg und die Frost- und Reifriesen gebar…

Als meine Gänsehaut irgendwann allzu sehr vibrierte, beschlossen wir zu singen:

Du bist Allah, du bist Ishvara, der mächtige Gott.
Du bist auch der barmherzige, mitleidvolle Rama.
Du bist Jesus, Guru Nanaka, Zorashtra und auch MAHAVIRA; GAUTAMA Buddha und Kabir.
Du bist der Allerbarmende.

Und so glitten die Frostgeister wieder in die Ferne, in der sie so wunderschön und harmlos erscheinen…

Dschjotis Wanderung durch die Anderwelt

Als ich so durch den Wald wanderte, kam mit der Chinesische Spruch in den Sinn:
„Trage immer einen grünen Zweig im Herzen, es wird sich ein Singvogel darauf niederlassen.“

Aber statt eines Singvogels flog ein Raubvogel zwischen den Welten auf den Ast eines Baumes und blickte bedrohlich zu mir herunter.

Bald ist Samhainmond und der Nebel verbreitete eine unheimliche Stimmung und ich hoffte, dass die Sonne sich bald blicken ließ. Mir fiel plötzlich das Gedicht von Hermann Hesse ein:

Der Herbstwind wehte alles Überflüssige und Abgestorbene hinweg. Mir wurde immer kälter. Die seltenen vorkommenden Bänke waren entweder verfault oder klitschnass.

Plötzlich öffnete sich das Tor zu Anderswelt. Während ich noch über mein Leben mit meinen Ahnen reflektierte, vernahm ich ein leises Lied aus der Anderwelt:

Ich lief noch tiefer hinein um die Melodie besser hören zu können, die mich an meine Embryozeit erinnerte:

Der Wald schien mir wie ein einziges riesiges Wesen, das da vor sich hin schnaubte und von den Klängen der Natur besänftigt wurde:

Sollen wir in Deutschland auch eine Kumbh Mela feiern?

Nicht nur in verschiedenen Städten in Indien werden hinduistische Wallfahrten, die Kumbh Melas an den großen Flüssen veranstaltet. Alle 12 Jahre gibt es sogar eine Maha, eine Große Kumbh Mela.

“Kumbh” ist der Behälter aus dem den Göttern bei ihrer Jagd einst einige Tropfen des Nektars „Amrit“ tropften. “Mela” heißt Zusammenkunft.

Hier habe ich mehr darüber geschrieben:

http://dschjotiblog00.blog.de/2010/01/17/kumbh-mela-2010-14-januar-30-april-7775715/

Aber auch in Malaysien wird die Kumbh Mela gefeiert:

Warum feiern wir in Deutschland nicht auch eine Kumbh Mela?

Genauso wie der Nebel nicht nur in Deutschland aus den Wassern steigt, wenn nachts die Temperaturen gegen Null Grad Celsius gehen, so steigt er auch in Indien als Dunst oder Nebel aus dem Ganges und kriecht über die Felder in die Städte.

Nebel inTschechien

Der göttliche Tropfen, Amrit verteilte sich schließlich überall auf der Welt, überall wo Wasser ist, ist auch Amrit. Nur müssen wir wieder danach suchen und zwar am richtigen Ort.

Nicht Berlin, München oder Frankfurt sind die Orte an denen sich die Tropfen der Götter befinden, sondern in unseren Herzen.