Tag-Archiv | Old- Delhi

Heilige Scheiße – Frauen dürfen ohne Begleitung nicht auf den Turm!

Nachmittags, als wir wieder ins Hotel zurückkamen, tauchte statt dem Verschollenen, der sich inzwischen krank gemeldet hatte, ein neuer Taxifahrer auf und wir fuhren zusammen nach Old- Delhi zur Jamia Masjid direkt ins Mittelalter. Dort stand auf einem Schild:

Unaccompanied women & children are not allowed to visit the tower!

Fotografieren war auch verboten, außer man bezahlte Schmiergeld für 4 €.

Da auch die Schuhe nicht im Rucksack auf das heilige Gelände durften, musste immer einer draußen auf die Schuhe aufpassen und der andere durfte barfuß durch die Heilige Vogelscheiße waten.

chandni chawk

Im Chandni Chawk ( Mondlicht Platz) konnten wir einkaufen und eine wurdersame Musik zog mich in den Sisganj Gurdwara (Tempel). Ich musste aber zuerst noch einen Sikh mit Säbel überlisten, der es mal wieder auf meine Schuhe abgesehen hatte. Diesmal sollte ich auch noch meine Füße mit einer ekligen Dreckbrühe waschen, vor der mich mein Hausarzt in Deutschland gewarnt hatte. Nachdem ich eine Weile mit dem Sikh zwischen den Säulen Verstecken gespielt habe, konnte ich irgendwann schnell durch eine Pfütze in den Tempel hüpfen.

sisganj gurdwara

In diesem Tempel war eine ganz heilige Stimmung, die mich stark beeindruckte. Ohne Unterbrechung wurde in einem lieblichen Singsang aus ihrem heiligen Buch, dem Guru Granth Sahib, rezitiert und gesungen. Ganz glücklich und auf Wolken schwebend kam ich wieder aus dem Tempel heraus.

Das Rote Fort, um das die Geier kreisten, war wegen den Vorbereitungen zum Nationalfeiertag geschlossen.

Weil meine Bluse plötzlich riesige Löcher hatte, mussten wir zum Connought Place fahren um eine neue zu kaufen. Dort belebten wir uns mit einer eiskalten Cola, die wir am Stand trinken mussten, weil die Wallahs ihre Flasche zurückhaben wollten.

Auf der Stadtrundfahrt zum India Gate und zum Parlamentsgebäude überraschte uns ein Monsunregen, der auch das Connor Platz Emporium so überschwemmte, dass wir nur ein paar sündhaft teure Kunstgegenstände und Saris bewundern konnten. Wer hat wohl so viel Geld, dass er in so teuren Läden einkaufen kann?

Vom Luxusländle auf die Müllhalde

Unser Flug ging über London- Heathrow, wo die Zöllner verlangten, dass wir unsere Schuhe ausziehen. Dann leerten sie unsere sorgfältig gepackten Rucksäcke total aus und schnüffelten in den letzten Ecken nach irgendwelchen Elektrogeräten, aus denen sie dann triumphierend die Batterien herausholten und uns belehrten, dass wir diese nicht im Gerät, wohl aber außerhalb des Gerätes transportieren dürften. Schade, dass der Reisende mit seinem weißen Pulver im Honigglas, das aussah wie Anthrax nicht mehr zu sehen war, das Theater hätte ich gerne beobachtet.

Nachdem wir lange Wege durch die Flughallen mit interessanten, fremdländisch gekleideten Menschen zurückgelegt hatten und zum richtigen Gate sogar mit dem Bus fahren mussten und endlich im Flugzeug saßen, wurden wir alle erst einmal entlaust. Ich habe mich schnell unter meinen Anorak verkrochen und so lange wie möglich die Luft angehalten, weil dieses Spray so scheußlich stank. Irgendetwas war hier wohl falsch. Wieso gibt es in London Läuse, die nicht nach Indien fliegen dürfen? Vielleicht hängt das damit zusammen, dass es hier Katzen und Hunde regnet.

Wir wurden in Delhi am Flughafen von einem Taxifahrer und einem Manager abgeholt. Es dauerte eine Weile, bis ich verstand, warum sie unser Hotel in der Innenstadt von Neu- Delhi, das ich doch rot in die Karte eingetragen hatte, nicht finden konnten. Es war nicht etwa nur, dass nirgends Straßennamen und Hausnummern angebracht waren, auch nicht in Hindi, sondern dass sie weder englische noch Hindi-Buchstaben lesen konnten und schon gar nicht einen Stadtplan.

Irgendwann nach ein paar Stunden, nachdem wir das halbe Stadtviertel befragt hatten, kamen wir schließlich im richtigen Hotel an.

Delhistromkabel

Es war stickig und dämpfig, so wie vor einem Monsunregen und als dann unsere Klimaanlage nicht funktionierte, haben wir dann eine Suite bekommen, mit einem Piccolo-Balkönchen und einem umwerfenden Blick zur Straße. Da ja mal irgendwann das Hotel auch renoviert werden muss, konnten wir uns an den Bauarbeitern und am Baulärm erfreuen.

DelhiBauarbeiter

Wir drehten dann noch eine Runde um den Block und hier wurden meine Sinne völlig verwirrt, von dem unbeschreiblichen Lärm, den Leprakranken die mitten auf der Straße herumlagen und den dunklen Gestalten, die überall in den engen Gassen zu lauern schienen.

Die Obdachlosen hatten einfach mitten im Getümmel ihre Claims abgesteckt, blaue Plastikplanen drüber gezogen und fertig war das Wohnschlafesszimmer, wo auf den Chulas, den tragbaren Kochern gekocht wurde und mittendrin die Kinder und Tiere herumliefen.

Delhi street(2)

Unterwegs verpasste ein Passant plötzlich ohne ersichtlichen Grund einem Rikshafahrer eine Ohrfeige. Dieser hat sich aber nicht gewehrt und sich nur erkundigt, warum er die bekommen hat. Seltsame Gebräuche sind das!

Kaum waren wir wieder im Hotel, prasselte unser erster Monsunregen los.
http://dschjotiblog00.blog.de/2010/11/19/monsun-indien-10009426/