Tag-Archiv | Rabeneltern

Corvus Corax, der Kolkrabe

Er ärgert gerne größere Greifvögel durch gezielte Sturzflüge, weil er genau weiß, dass sie ihm nichts anhaben können. Dank seines ausgeprägten Spürsinns für Fressbares und weil er so ziemlich alles frisst, findet er immer tierische oder vegetarische Nahrung. Besonders gerne ließ er sich früher auf den Galgenhügeln und Schlachtfeldern nieder um sich an den Toten satt zu fressen. Heute sieht man ihn eher auf Mülldeponien.

in der Morgenröte
erheben sich zwei Raben
von des Walvaters Schultern herab
sie fliegen Asgards Höhen
nach Midgard herab
durchstreifen Wälder und Flure
die höchste Berge und Täler
sie sind die Augen und die Ohren

kehrt heim zur Mittagsstunde
und flüstert eurem Herrn
was geschah in Midgard
bringt Kunde von einer Schlacht
so schüttelt Odin seinen Speer
und ruft sein Roß Sleipnir
mit Walküren eilt er hinab
die auserwählten Krieger zu holen

schwarze Federn am Himmelszelt
künden vom Schicksal unserer Welt
blickt auf Midgard nieder
und kehrt nach Asgard wieder
laßt vom Wind euch treiben
denn nichts wird ewig bleiben
Leben kommen Leben vergehen
und ihr habt alles gesehen

refr.
fliegt,ihr Raben,fliegt hinaus
kündet eurem Herrn vom Schicksal der Welt
flieg Gedanke,flieg Erinnerung
Augen des Allvaters.

Er nistet an einsamen, schwer zugänglichen Orten und lebt lebenslang mit seinem Partner zusammen. Während der Brutzeit wird das Weibchen liebevoll von dem Männchen gefüttert und sind die Jungen erst einmal geschlüpft, werden sie von beiden Rabeneltern eifrig umsorgt.

Woher kommt dann aber die abfällige Aussage von den Rabeneltern?

Der Übeltäter war der Domherr Konrad von Megenberg. In seinem 1350 erschienenem „Buch der Natur“ behauptete er, Raben würden ihre Jungen aus dem Nest werfen. Vielleicht hat er da eine Bibel falsch übersetzt, z. B. Hiobs Bemerkung, Raben würden ihre Jungen aus Mangel an Speisen herumirren lassen oder weil Moses Raben für unreine Tiere hielt. Dabei hielt auch Noah einen Raben als Kundschafter und dem Propheten Elias brachten die Raben auf seiner Flucht „Brot am Morgen“ und „Fleisch am Abend“.

Rabe

Dieser intelligente, neugierige und kluge Vogel galt auch den Germanen und den Indianern als heilig. Die Mayas verehrten ihn, weil er den Mais entdeckte. Die chinesische Mythologie weiß, dass ein dreifüßiger Rabe in der Sonne haust. In der Persischen und Griechischen Kultur war er der Begleiter der Götter des Lichtes.

Göttliche Raben begleiteten die Wanderzüge der Kelten unter Bellovesus und Segovesus. Raben waren Kundschafter auf den Segelschiffen der Wikinger um ihnen Land anzuzeigen, wie bei Noah. Flüsterten sie vielleicht auch noch andere Botschaften in ihre Ohren, so wie es das Rabenpärchen Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung/ Gedächtnis) beim Göttervater und Rabengott Odin zu tun pflegte?

Als Todesbote wurde der Rabe ehrfürchtig bezeichnet, als Mittler zwischen den Lebenden und den Geistern. Durch sie kam das Wissen, Leben und Macht aus den verborgenen Bereichen nach Midgard. Beim Opfer an Odin gilt das Krächzen zweier Raben, dass das Opfer angenommen wurde.