Tag-Archiv | Schleiertanz

Isis Wings

Mit einem knisterndem Geräusch schloss ich der Klettverschluss mit der Schlinge um meinen Hals. Nun gab es kein Zurück mehr. Ich ignorierte den atemberaubenden Druck und ergriff die Holzstücke meiner Flügel.

Isiswings

Die Musik spielte auf und ich schwang mich auf ihren lieblichen Klängen in die Weite des Raumes. Zaghaft probierte ich meine Bewegungen. Erst langsam, dann immer schneller wirbelte ich durch den Raum und fühlte mich frei wie ein Vogel und fühlte die Glückseligkeit eines Engels ohne Körper.

Erst als die Musik verstummte, erwachte ich dankbar aus meinem Tanz und streifte die Isis- Wings wieder ab.

Ich hatte die Isis Wings früher schon an anderen Tänzerinnen bewundert. Auf dem Basar in Jerusalem fand ich sie unpassend für mich, weil ich doch keine Diva bin. Aber ihre wunderbare und geheimnisvolle Ausstrahlung ließen mich nicht los und als ich sie umlegte, verwandelte ich mich in ein anderes Wesen, jenseits von Raum und Zeit.

Der geheimnisvolle Schleiertanz erschien gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf den Bühnen Europas.

Was hier auf uns belustigend wirkt, hat sich inzwischen doch sehr geändert.

Der atemberaubende Tanz mit den Flügeln, der nach der ägyptischen Göttin Isis benannt wurde, verzaubert aber nicht nur die Tänzerinnen, sondern begeistert auch die Zuschauer.

Krafttierschleiertanz gegen Blockaden

Laut und kräftig erhob sich die kalte Stimme mit ihrer Litanei: „Das ist doch alles nichts, was Du da machst… Du bist zu groß, zu dick, zu alt, zu träge, zu unbegabt….dazu. Lass das mal die anderen, die Begabteren tun…“

„So nicht“, erwiderte ich wütend. „Ich bin eine Traumtänzerin und tanze mir meine Wünsche wahr“. Ich schnappte mir meinen Schleier und schwenkte meinen Körper im Takt der Musik gegen die Stimme, die mich zu ersticken drohte, an.

Schon nahten die Krafttiere, die mir zu Hilfe eilten. Es waren starke, dickköpfige Tiere, die mir Kraft gaben und mich verteidigten.

Nashornschleiertanz

Während sie mit unbändiger Lebenskraft in die Woge meines Schleiers eindrangen, nahm ich alle Gerüche der Umgebung stärker wahr und konnte die Gedanken und Absichten der Menschen in der Umgebung wahrnehmen. Der Vorhang zur Geisterwelt stand weit offen . Ich nahm die Macht ihrer Hörner wahr und drehte mich um meine Achse. Sie aber steigerten ihre Geschwindigkeit und kreisten donnernd um mich herum. Meine Tanzschritte wurden kräftiger, mein Vertrauen sicher in die Welt hinaus zu tanzen wuchs enorm:

Als die Musik verebbte und sie langsam wieder entschwinden wollten, bedankte ich mich bei meinem Krafttier und behalte es dankbar in meinem Herzen. Seine Energie aber belebte noch lange Zeit den Raum.

Ein kleines Plastik-Nashorn bewahre ich zur Erinnerung, dass es mir Sicherheit gibt, in meinem Setzkasten auf.