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Ausflug von Agra in die Geisterstadt Fatehpur Sikri

Beim Frühstück in unserem Luxushotel in Agra beobachtete ich, wie die Toasts vom Personal mit den Fingern beider Hände in den Toaster geschoben, herausgeholt und auf einem Teller gelegt wurden. Dann erschien der Kellner damit beim Gast und servierte die Toasts mit einer silbernen Zange. „Aber nicht auf meinen Teller, ich esse etwas anderes!“ Wir hatten nämlich inzwischen beobachtet, dass einige Inder bei ihrer Morgentoilette auf der Straße auch nicht die linke- Hand- Regel einhielten.

Beim Frühstücken meiner 5 selbstgeschälten Bananen und 3 selbstgepellten superhart gekochten 30-Minuten- Eier, beobachtete ich die Reinigungsarbeiten: Nachdem die ersten Gäste ihren Tisch verließen, deckten 3 Personen gleichzeitig den Tisch ab, drehten einfach die benutzten Platzdeckchen um, neuen Teller drauf und fertig für den nächsten Gast. „Ab morgen werden wir ganz bestimmt immer die ersten beim Frühstück sein!“

So kommen die Eier zum Hotel:

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Heute besuchten wir den riesigen grandiosen Palast der in den Sand gesetzten verlassenen Kaiserstadt Fatehpur Sikri.

Von jetzt ab nahm ich den Kampf mit den lästigen selbsternannten Guides auf. Ab jetzt ernannte ich mich auch zum Guide, schwenkte meinen Reiseführer und verkündete dies lautstark jedem der sich in unsere Nähe wagte. Die Kinder liefen ehrfürchtig davon und riefen: She is really a guide, she has a book! Sie ist tatsächlich eine Reiseführerin, sie besitzt ein Buch! So hatten wir unsere Ruhe und konnten gemütlich alles anschauen.

Dann kamen wir an ein riesiges, tiefes mit Wasserlinsen bedecktes Becken, in das ein Inder für uns für ein paar Rupien hineinspringen wollte. Ich hätte ihm lieber etwas gegeben, damit er nicht dort hineinspringt. Aber wir sind dann lieber schnell weitergelaufen, damit er nicht doch noch springt.

Abends erzählte man uns, dass die Schlepper oft 30% bekommen, wenn Touristen in den teuren Läden etwas kaufen. In einem Laden behauptete der Verkäufer, das von uns gesuchte Buch sei schon auf dem Weg zu uns und würde in ein paar Minuten eintreffen. Er spielte uns inzwischen schöne Musik auf seiner Sitar vor und dann fand er es lustig, dass ich bemerkte, dass 5 indische Minuten eine europäische halbe Stunde sei.

Dann führte er uns in einen engen düsteren Raum, sein Büro, in dem mehrere Leute arbeiteten. Wir hörten dort einige CDs an, bis ich eine Überwachungskamera für die Straße entdeckte. Nun war uns auch klar, woher er soviel über uns wußte, woher wir kamen, wann wir in Agra eingetroffen sind, wohin wir gingen…… Mir wurde immer mulmiger zumute.

Nachdem er uns dann sämtliche Gegenstände seines Geschäftes andrehen wollte und uns sogar einlud irgendwo hinzufahren, wo er ein Restaurant hätte und wir mit ihm speisen sollten, sind wir zum Warten auf das Buch erst mal ins Hotel zurückgegangen.

Nach einer weiteren Stunde stellte sich heraus, dass es das Buch gar nicht gibt. Wir kauften noch ein paar kleinere Dinge, als wir dann aber das Grammophon aus Uromas Zeiten kaufen sollten, lief ich zielstrebig zum Eingang, der natürlich verschlossen war. Ich schaute mich schon um nach einem geeigneten spitzen Gegenstand, als der Verkäufer eine andere Tür für uns öffnete und wir uns erleichtert verabschiedeten. Wir waren richtig froh, als wir wieder draußen waren.