Tag-Archiv | Schuhe

Die zerfallenen Schuhe

zerfallene Schuhe

Endlich hatte ich mal wieder eine Gelegenheit meine schönen goldenen Sandalen aus dem Schuhschrank zu holen und dann sehen sie aus, als ob Ratten daran genagt hätten. Aber der Schuhschrank war verschlossen und die anderen Schuhe waren alle in Ordnung.

Klar, dass Kunststoffe unterschiedlich auf die Umwelt reagieren, aber mit so etwas hatte ich nicht gerechnet.

Hydrolyse heißt dieser chemische Prozess, bei dem sich die Weichmacher verflüchtigen. Aber eigentlich waren diese Sandalen schon immer ziemlich hart.

Und jetzt heißt es wieder, dass die Konsumentin zu viel Müll macht. Und wenn ich jetzt barfuß zur Geburtstagsfeier gehe, gehen ja wieder Arbeitsplätze in der Schuhindustrie verloren…

Jetzt weiß ich jedenfalls, warum sich die Frauen früher ihre Schuhe selber gehäkelt haben. Hüttenschuhe zum Selberhäkeln gab es übrigens auch schon beim Aldi.

Die Kunst des Schuheausziehens

Gleich am Eingang der Moschee übte ich mich in der Kunst des Schuheausziehens, ohne den Boden zu berühren. Zum Glück habe ich ja inzwischen das Wackelbrett im Fitness- Studio einigermaßen gemeistert, so dass ich dabei nicht allzu oft umfiel.

Fenster zum Paradies

Ich zog also zuerst meine rechte Sandale aus, stieg mit meinem rechten Fuß in einen Socken, von dem ich hoffte, dass es der rechte war und erst dann setzte ich meinen rechten Fuß auf den Teppich. Die rechte Sandale baumelte nun an einem Riemchen an meiner linken Hand.

Ebenso machte ich es mit dem linken Fuß, den ich in den übriggebliebenen Socken steckte. Da die Füße nicht den Boden und die Schuhe nicht den Teppich berühren durften, musste ich einige cm über dem Boden schweben, während ich die Sandalen in das dafür vorgesehene Regal platzierte.Dabei fiel ich natürlich um.

Wenn ich vorher gewusst hätte, dass ich die Schuhe auch mit zueinander gewandten Sohlen in den Innenraum mitnehmen darf, hätte ich diese Strapazen genauso wenig mitgemacht, wie Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch der Al-Hussein bin Talal-Moschee in Amman.

Stattdessen befürchtete ich, dass irgendwo ein Religionspolizist auftaucht und mich aus der Moschee verweist.

In der Moschee zog ich mir nicht nur meine Schuhe aus, sondern ich hängte auch meinen Alltagskörper an einen leeren Kleiderhaken. So schwebte ich dann mit meinen Tempelsocken über den flauschig weichen Teppich, der den ganzen Boden des Gebetsraumes bedeckt.

Zum Glück war der Raum leer, so muss ich mich bei meiner Größe nicht in so ein kleines orientalisches Muster auf den Teppich quetschen, das höchstwahrscheinlich für Liliputaner gewebt wurde. Die Zehen der Vorderfrau hätte ich dann auch noch in meiner Nase gehabt.

An den Wänden der Moschee hängen keine Bilder wie ich sie male, sondern die Innenwände sind mit Orientalischen Mustern geschmückt. Ich konnte zwar einzelne arabische Buchstaben erkennen und sogar den Namen Allah lesen, aber so eine wunderschöne verschnörkelte Schönschrift , Kalligrafie genannt, muss ich mir noch einmal genauer erklären lassen.

Eine Gebetsnische zeigte sogar in Richtung Mekka und für die Damen gibt es einen eigenen Gebetsraum im Obergeschoss, von wo aus man ausgezeichnet auf die Herren hinabblicken kann.

Kalligraphie

Von hier aus konnte ich mich auch so lange in das wunderschöne Deckengemälde vertiefen, bis ich im Paradies entschwand…

Die Geister beim Theater

Wir trafen uns beim „im po sand en“ Denkmal vor der Landesbühne, welches sich der Architekt selbst gesetzt hatte. Obwohl er inzwischen schon älter geworden war, habe ich ihn bei 150-er Jubiläumsfeier noch erkannt.

Aber in Theaterhäusern gehen noch mehr Geister umher. Geister verstorbener Schauspieler und Autoren, Seelen von Figuren aus den gespielten Werken, deren Namen nicht einmal ausgesprochen werden dürfen, wie „Macbeth“…

Treppenhaus

Beim Eintreten in die heiligen Hallen spürte ich die Anwesenheit von Wesen aus der Vergangenheit. Während unsere Führerin darüber sprach, dass die Schauspieler zirka zwei Stunden vor dem Spieltermin zur Maskenbildnerin kommen müssen, dass sie meistens mehrere Rollen im Wechsel aufführen müssen und ihre Künstlerverträge jährlich verlängert werden oder auch nicht, drängten sich die Wesenheiten immer näher an uns heran.

Wir sahen die ausgehängten Spielpläne und Arbeitszeiten mit der 2-stündiger Mittagspause und den schwierigen Arbeitsbedingungen unter den heißen Lampen. In der schwül-warmen Luft war es schwierig zu atmen. Aus den Stühlen der Zuschauer weht uns aber ein kühles Lüftchen entgegen.

Wir erfuhren Einiges über den Transport sperriger Güter von und zu den Werkstätten.
Die Akustik war so gut, dass wir von den obersten Rängen aus die geflüsterte Einladung zum Kaffee gut verstehen konnten.

Theatermenschen pflegen heutzutage immer noch uralte heidnische und abergläubisch Rituale, deren Wurzeln bis ins finsterste Mittelalter zurückreichen. Was tun sie nicht alles um die Theatergeister zu besänftigen!

So müssen sie bei einem Fehler drei Mal ums Theater herumgehen und anschließend wieder um Einlass bitten um die wild gewordenen Theatergeister, das sind ehemalige Künstler, zu beschwichtigen.

Geister der drei Hexen aus Macbeth oder der Geist der Hekate können die Aufführung total schmeißen.

Übrigens ist im Theater alles verboten:

Vor der Aufführung darf man nicht „viel Glück“ wünschen, sondern sagt stattdessen: „toi, toi, toi“ und spuckt sich über die linke Schulter.
Sagt es trotzdem jemand, so darf man niemals mit „Danke“ antworten, sondern höchstens mit einem „Wird schon schiefgehen“! So kann man die Geister verwirren.

Auch zu diesem wohlgemeinten „Toi toi toi“ vor der Premiere darf man nichts antworten, damit man die Premiere nicht vermasselt.

Bei der Generalprobe darf man nicht applaudieren, weil sonst die Premiere schlecht wird.

Auf den Holz- Brettern die die Welt bedeuten wird nicht gegessen, weil sonst die Ratten kommen.

Mit einem Hut darf man nicht über die Bühne gehen, weil sonst die Zuschauer weglaufen.

Der Ausdruck „Hals- und Beinbruch (englisch: „Break a leg“) genannt, kommt ursprünglich aus dem Elisabethanischen Zeitalter. Nach der Applaus-Anordnungen kam bei der dritten Verbeugung das sogenannte „breaking leg“, der Hofknicks dazu.

Pfeifen ist im Theater strikt verboten, weil sich so die Bühnentechniker verständigten. Auf diese Weise wurde zum Beispiel eine Wand von oben herrunter gelassen. Diese herunterfahrende Wand könnte ja jemanden auf den Kopf treffen. Auch als die Theater noch mit Gaslampen beleuchtet wurden, rannten alle aus dem Theater hinaus, wenn eine Gasleitung leck war und pfiff.

Alle heißt, dass noch viel mehr Leute hinter den Stellwänden sitzen, als das Publikum zu sehen bekommt. Zum Beispiel der koordinierende Disponent, der Feuerwehrmann hinter dem kleinen Fenster, der Intendant, der das Pult mit Knöpfen koordiniert und die Inszenierung hinter den Kulissen inspiziert, der Regieassistent der die Künstler betreut und die Souffleuse, die oft in der 1. Reihe sitzt.

In der Klamottenkammer stapelten sich nicht nur antike Gewänder aus jedem Zeitalter, sondern auch künstliche Bäuche und Buckel, Hüte… Es sah dort aus, wie im Lager einer Hexe, die die Menschen in Arbeitssklaven verwandelt hat, die nur manchmal wieder am Leben teil nehmen dürfen.

Wir erfuhren in der Schneiderei, wie sorgfältig die Kleidung vorbereitet sein muss, damit die Schauspieler wenig Zeit zum Umziehen benötigen.

Maskenbildnerinnen bewahrten alte vergammelte Hände, Masken und Nasen in Kisten auf.

Skalpe

In den Schränken hatten sie jede Menge Skalps wie Haare und Bärte versteckt. Auf einem Regal über der Türe hingen Werkzeuge die wie Folterzangen und Fleischwolf aussahen. Es waren angeblich Werkzeuge für S-Krause und Rasiermesser. Ich hatte das Gefühl, als ob wir doch in einem Hexenreich waren.

Ich vergaß mein mulmiges Gefühl wieder als wir uns schief lachten, weil eine Rothaarige mit Bubikopf plötzlich langhaarig erblondete. Sie hatte die vorgeschriebene Ruhezeiten zwischen Schminken und Spielen allerdings nicht eingehalten.

Die Maskenbildnerinnen knüpfen von Hand Perücken aus Büffelhaaren und aus asiatischen Haaren.
Eine Perücke braucht ungefähr 1 Monat Arbeitszeit, je nach Kopfgröße und Haarlänge und – dichte.
Mit Klammern werden die eigenen Haare hochgesteckt, ein Haarband wird drum herum gewickelt und die Perücke wird mit Haarklammern festgesteckt.

Dann traten en wir ins Traumreich der meisten Frauen: Schuhe in allen Varianten. Sollten wir etwa verlockt werden hierzubleiben?

Schuhe

Seid also in Zukunft vorsichtig, wenn ihr ins Theater geht. Überall lauern Gefahren. Ein über die falsche Schulter Spucken oder ein verträumtes Liedchen pfeifen, kann äußerst peinliche Zwischenfälle hervorrufen!

Wem es noch immer noch vor nichts graut, kann hier noch mehr über die Theatergeister erfahren:

http://westfaelisches-landestheater.de/rund-ums-wlt/hinter-den-kulissen/die-theatergeister—aberglaube-am-theater-nr-2-kolumne-sophie-schmidt-5/

Leipzig im November

Am Buß- und Bettag schrieb ich nach Hause:

„Scheene Grieße aus Leipzsch
Hier gibd‘s 3 Meere
Frieh das Nääbelmeer
Middachs das Häusermeer,
un´aahmds gar nischd meehr.“

Auf den Straßen entdeckte ich von den halben Million Einwohnern am Abend des Buß- und Bettages nur ein paar unfreundliche Jugendliche.

In der mit Graffitis vollgeschmierten Straßenbahn, die Richtung Stadt fuhr saßen einige Zombis, die mir solche Furcht einflößten, dass ich schon an der 2. Haltstelle ausstieg und durch die komische Gegend mit teils leerstehenden Häusern zurücklief zu unserem Hotel.

Straßenbahn 3 in Leipzig

Bei Tag sah es aber schon besser aus. Freundliche Leipziger erzählten, wo es schön sei und wie man am besten in die Stadt kommt usw.

Überall waren schöne renovierte Jugendstilhäuser und viele Häuser waren bemalt:

Häuser in Leipzig

bemalte Häuser Leipzig

Alte Turnschuhe und ausgelatschte Slipper hingen von einem Stahlgerüst herab. Leider wird dieses originelle Kunstwerk durch ein Inter City Hotel ersetzt werden:

Schuhgerippe

Jetzt weiß ich, was die Bank mit unserem Geld gemacht hat:

Commerzbank Leipzig

Touristen gab es noch nicht so viele, weil der Weihnachtsmarkt gerade erst aufgebaut wurde:

Weihnachtsmarkt Leipzig

Goethe, den ich gerne getroffen hätte, schlief wohl noch, weil Auerbachs Keller erst gegen Mittag öffnete:

Das Cafe´ „Zum arabischen Coffee-Baum“ aus dem 16. Jahrhundert, in dem ich mit Goethe, Lessing, Liszt, Wagner, Schumann, Napoleon….. ne, mit dem lieber nicht!!! also mit diesen Stammgästen wollte ich dort mal einen Kaffee trinken. Es war leider auch noch zu. Schade!

Café Baum Leipzig

Ich tröstete mich nebenan im Jugendstilcafé mit einem leckeren Kakao.

Leider konnte ich nicht so lange bleiben um alle Sehenswürdigkeit zu genießen, aber vielleicht klappt es ja ein anderes Mal wieder.

Der Tempel, der der fischäugigen Göttin Meenakshi

Abends fuhren wir zur Abendzeremonie in den Meenakshi Tempel, der der fischäugigen Göttin Meenakshi gewidmet ist. Sie ist ein weiblicher Aspekt Shivas.


Der Bazar im Eingangsbereich des Tempels schimmerte geheimnisvoll.

Verkauf vor dem Tempel

Wie immer mussten wir vor dem Tempel unsere Schuhe ausziehen.

Bei der Leibes- und Taschenkontrolle wurde Andis Notfalltäschchen mit einem Feuerzeug beanstandet. Er könnte damit den Tempel in die Luft sprengen.
Im Tempelinneren wurde unser Verstand mit Unmengen von Weihrauch lahmgelegt.

Malawerkstatt

Malas (Blumengirlanden) wurden gebunden.

Müde Pilger

Die Figuren waren alle schwarz, weil sie mit Ghee (Butterschmalz) eingerieben worden sind.

Buttergheelämpchen

In diesem Tempel wurde Shiva, mit Mantren und Trommeln mit ohrenbetäubendem Lärm in den Schlaf gebrüllt:

Ein Höckerchen mit Shivas Fußabdruck war so heilig, dass es nicht fotografiert werden durfte. Es wurde mit Wasser begossen und mit Blättern abgewischt. Dann kamen Sandelholz und eine Kette aus duftenden Jasminblüten darauf, ein Tuch drüber und ab ging es ins „Schlafgemach“.
Diese „Füße Shivas“ werden in diesem separaten Raum, über Nacht aufbewahrt.

göttergehnzurruh

Bei der ersten Puja werden die Götter morgens zurück in den Hauptschrein gebracht. Dann folgen weitere Rituale, wie die Waschung der Götterbilder und das Schwenken von Lichtern aus Kampfer vor der Gottheit.

Beim Abholen unserer Schuhe wollten uns die Schuhaufbewahrungswallas doch tatsächlich für unsere Marke die falschen Schuhe andrehen.

Schon am 2. Tag in Delhi verschwand unser Taxifahrer

Hanuman- Statue

Unser Taxifahrer hat gleich an unserem 2. Tag in Indien verschlafen oder unser Hotel nicht mehr gefunden. Da wir aber nicht auf ihn warten wollten, bestellten wir uns einfach ein Prepaid-Taxi und fuhren am Affengott Hanuman vorbei zum Laksmi- Tempel (Birla- Mandir) und dem Kali Bari Tempel.

Lakhsmitempel

Dort mussten wir immer wieder unsere Schuhe ausziehen, bis ich irgendwann nur noch barfuß gelaufen bin. Überall huschten Streifenhörnchen umher und plötzlich wurde Andi von einem Priester angemalt: Er bekam eine Blumenkette um den Hals und einen roten Punkt auf sein 3. Auge, mit dem er nun „die Wahrheit hinter dem Schein“ erkannte und seine Schuhe nicht unbeaufsichtigt stehen lassen wollte. Klar- wo bekommt man in Indien Schuhgröße 43! Für die Novizen war die ganze Geschichte sehr zum Kichern.

Beim nächsten Tempelchen wurde er schon mutiger, ging hinein und ließ seine Crogs außen stehen. Sofort kam ein Dreikäsehoch und schlappte grinsend damit über den ganzen Vorplatz.

Eine Banane schenkte der Tempelpriester uns auch, aber die tauchte später leider völlig gemanscht in der untersten Ecke des Rucksacks wieder auf. 