Tag-Archiv | Stromausfall

Ein Cyberangriff in unserer Straße?

Mond im Wassermann, hieß es heute in meinem Mondkalender, bedeutet Überraschung. Und wie ein Blitz aus heiterem Himmel wurde uns am Sonntag verkündet, dass am Montag Morgen eineinhalb Stunden der Strom abgestellt wird, weil bei einem Nachbarn das Licht flackerte.

Die ganze Straße war nun heute Morgen voller Baufahrzeuge und Bagger. Es wurden die Sicherungen des Hauses herausgenommen und nach 2 Stunden wieder eingesetzt. Dann fuhr das Messfahrzeug fort. Nach einer halben Stunde war der Strom wieder weg und die Sicherungen wurden wieder raus genommen.

Da wurde mir auf einmal bewusst, wie abhängig und süchtig ich vom Strom war:

Kein warmer Tee zum Frühstück und die Heizungen wurden auch kalt.
Weder Waschmaschine noch Geschirrspüler konnten für mich arbeiten. Meine fettigen Haare wollte ich auch nicht mit kaltem Wasser waschen. Das Duschen ließ ich auch lieber sein. Ich konnte keine Musik anmachen und keinen Fernseher.

Selber singen war auch nicht drin, dann hätte ich vielleicht nicht gehört, wenn der Mann des Stromlieferers an der Haustüre klopft (die Klingel hatte auch keinen Strom), um die Sicherungen wieder einzubauen. Nicht mal das Telefon funktionierte. Und das Internet schon gar nicht (WLAN router ohne Strom).

Also las ich in meinem Buch weiter. Natürlich kamen da Begriffe vor, die ich gerne gegoogelt hätte.

Da ich noch einen Termin hatte, begann ich mich fertigzumachen. Beinahe wäre ich dann zu spät gekommen, weil ich im dunklen Flurschrank ewig meine Schuhe suchen musste und die Taschenlampe seit dem letzen Urlaub nicht mehr in der Hand gehabt hatte.

Gegen Abend kam der Mann mit den Sicherungen zurück und ich führte ihn die Kellertreppe hinunter. Dazu erklärte ich ihm, dass das Licht automatisch anginge. Als es dann aber doch nicht hell wurde merkten wir erst, dass das Licht ja nicht angehen kann, wenn der Strom der ganzen Straße abgeschaltet ist. Da sieht man mal, wie eingefahren man denkt.

Inzwischen wurde die Straße an verschiedenen Stellen aufgerissen und die Leute versammelten sich in unserer Straße. Bis der Schaden endlich behoben war und die Lichter wieder angingen dauerte es bis 19 Uhr. Ein Glück, dass ich weder eine Tiefkühltruhe noch Warmwasserfische habe.

Wir haben uns in Deutschland also schon besser als die Inder beim Stromausfall entwickelt. In Indien gab es sowas zwar mehrmals am Tag, dafür war der Strom dort aber nie so viele Stunden auf einmal weg.

Außerdem kann ich morgen nicht mit meinem Fasten beginnen, weil wir Fischstäbchen mit Erdbeereissoße essen müssen. Schließlich soll man die aufgetauten Lebensmittel ja nicht wieder einfrieren. Und wer ist daran schuld? Hacker?

Ich denke es war eher der hungrige Ameisenbär, der jetzt aus dem Winterschlaf erwacht ist und die Stromkabel mit Spaghetti verwechselt hat:

http://dschjotiblog00.blog.de/2012/01/15/ameisenbaeren-wirklich-artgerecht-haustiere-halten-12458486/

Immerhin war es im Abstand von 100 Metern an zwei Stellen an dem gleichen Kabel zu Kurzschlüssen gekommen, was in der 20jährigen Laufbahn des Strommonteurs, der die Sicherungen raus- und rein geschraubt hatte, noch nicht vorgekommen war.

Was meint Ihr, was es wohl war?

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Shopping in Agra

Im Pacific Mall, einem Einkaufszentrum beobachteten wir verschiedene Inder, die noch nie in ihrem Leben Rolltreppe gefahren sind. Ein kleiner Junge weigerte sich zur Verzweiflung der Eltern dieses Ungeheuer zu betreten. Ehe er sich versah hat Andi sich ihn geschnappt und sprang zusammen mit ihm auf die Rolltreppe.

Natürlich hatte sich der ängstliche Bub am Zipfel der Dupatta (2m langer Schal) seiner Mama verkrallt und die Rolltreppe fuhr natürlich weiter so dass sie ganz abgewickelt wurde. Ich war heilfroh, dass sie ihre Dupatta nicht wie ich es mache, mit einer dicken Sicherheitsnadel am Sari festgebunden hatte. Wer weiß was ihre jetzt nur lachende Großfamilie mit uns angestellt hätte….

Wir besichtigten noch ein Teppichgeschäft, damit der Taxifahrer seinem Chef berichten konnte, wir waren da drin (wegen der Kommission). Der Besitzer, ein Mohammedaner, beschäftigte seine meist weiblichen Familienangehörigen hier in webender Art und sie trugen kein Kopftuch, damit das göttliche Licht besser in ihr Kronenchakra eindringen kann, erzählte er uns. Beim Weben rezitierten sie Suren und Mantren, damit die Tätigkeit nicht langweilig wird und der Heilige Geist in den Teppich einzieht und diesen umso wertvoller macht. In dem schönen kühlen Raum wurden dann alle Teppiche vor uns ausgerollt und wir mussten auch keinen mitnehmen.

Abends machten wir so wie man es uns beigebracht hat weiter. Wir schauten alles in allen Geschäften an und fanden nur ein paar Postkarten und einige Erdnüsse und natürlich unsere Wasserflaschen kaufenswert.

VordemHotelAgra

Selbstverständlich erlebten wir einen der häufig vorkommenden Stromausfälle als wir gerade in einem Bücher/CD-laden waren. Da standen wir dann mit 10 Verkäufern im Dunklen und trauten uns erst recht nicht hinaus auf die Straße mit den Kuhfladen und den wilden Hunden. So viel Pfefferspray hatte ich ja auch nicht dabei.

Als das Licht wieder an ging, rannten wir erleichtert in unser Hotel und schauten uns im Fernsehen an, wie Delhi unter Wasser stand und der Film „ The Gods must be crazy“ passte auch hervorragendzu unserer Situation:

An diesem Abend gab es noch weitere 10 Stromausfälle, aber unser Hotel hatte ein gutes Notstromaggregat.