Tag-Archiv | Stuttgart 21

Knalltrauma und der ganz normale Irrsinn im Urlaub

Wirkt ein sehr hoher Schalldruck sehr kurz (1 bis 3 ms) auf das Ohr ein, bekommt man ein Knalltrauma, bei dem das Innenohr geschädigt wird.

In der Ferne knallt es, als ob eine Bombe in die Nacht explodiert. Irgendwo ist zwischen den Animations-Halligallis der Umgebung auch noch ein Feuerwerk.

Einige Nachbarn schlagen Holzklötze in den harten Boden und knallen mit anderen Hölzern darauf, so laut sie können. Das soll ein Spiel für ihre Kinder sein, mit dem sie in den nächsten Tagen auch fleißig knallen.

Eigentlich spinnen die Menschen ja an Vollmond, aber heute sieht er aus wie eine große rote Melonenscheibe, die knapp über dem Horizont schwebt.

Die Franzosen aus dem Zelt von nebenan, die sich per Bettlaken die blauen Aktivisten nennen (weil sie immer besoffenen sind?)feiern auch nach 23:00 Uhr noch lautstark, so dass an Schlaf nicht zu denken ist.

BlaueAktivisten

Die Knaller von nebenan kicken ihren Fußball frühmorgens schon vor dem Frühstück so laut an die an die Hauswand, dass ich das Gefühl habe, mein Kopf zerspringt. Ich flüchte in den Einkaufladen, hole mir die Zeitung und lese am Strand, an dem auch schon die ersten Ballspieler aller Art eintreffen, dass bei Stuttgart 21 ein Polizist mit einem Knalltrauma ins Krankenhaus kam:

Im Internet meinen übrigens manche, dass sei nicht so schlimm gewesen.

Am Strand verhalten sich einige Väter heute wie Tiere. Sie grunzen, quieken, bellen und wiehern um ihren Kindern zu gefallen. Wenigstens knallen sie nicht. Eine rüstige Alte rennt mit ihren beiden Stöcken hinter den Joggern her um fit zu bleiben. Auch die knallen nicht im Sand! Der Lärm kommt von mehreren Teenies, die ihre Schläppchen gegeneinander klatschen um so der Umgebung den Rhythmus ihres Lieblingssongs kundzutun.

Beim Zurückkommen zu unserem Ferienhaus hören wir schon von weitem, dass Max von seinem Vater eine Trommel geschenkt bekam und stolz unseren Nachbarn präsentiert, wie kräftig er darauf einschlagen kann. Eine Nachbarin schwingt sich verzweifelt aufs Fahrrad und haut ab.

Am nächsten Tag haben andere Kinder eine große Blechdose auf die sie kräftig mit einem Seil einschlagen.

Ich glaube die haben alle einen Knall!

Sind das noch Schwabenstreiche?

Als ich nach längerer Zeit wieder mal in den Park hinterm Bahnhof in Stuttgart kam, dachte ich, dort sei eine Ausstellung: lauter Tipis standen dort auf dem Rasen und überall waren Campingzelte aufgestellt. Es sieht dort aus, wie auf einem Campingplatz.

Bei genauerem Hinschauen sieht man überall Protestplakate, die auf Stuttgart 21 hinweisen, sogar auf Arabisch.

Wenn nun die sparsamen Schwaben auf dieselbe Idee kommen wie ich, werden sie im Sommer nicht mehr in Scharen auf den überfüllten Autobahnen im Stau stehen oder sich von den Flugkontrolleuren die Hosen herunterziehen lassen, sondern ihr Zelt schnappen und im Schlossgarten kostenlos campieren.

Sie können von dort aus schöne Ausflüge mit den von Kretschmann hoch gelobten Elektrofahrrädern auf die Weinberge rund um Stuttgart machen. Die freundlichen Inhaber der Besenwirtschaften werden ihnen dann kostenlos ihre Steckdosen mit Strom aus Tschechiens Kernkraftwerken zur Verfügung stelle, damit die Räder ihren Namen Energiesparräder auch gerecht werden.

Kinder sollten die Camper aber lieber zuhause lassen, die können nämlich im Park entweder von den zahlreichen rücksichtlosen Radlern auf den Parkwegen überfahren werden oder :

Wenn im nächsten Winter der Strom ausfällt, werde ich in meinem Wohnzimmer ein Zelt aufschlagen und mich mit meinem Kangri

http://dschjotiblog00.blog.de/2011/05/14/feuer-hintern-11152079/

dort hineinsetzen.

Dann werde ich darüber nachdenken, warum schwarze Mohikaner doof sind und wie viel jemand von Hochtechnologie versteht, der Kernkraftwerke als Meiler (ein Relikt aus der Holzkohleerzeugung) bezeichnet, warum kleine Kinder nicht mehr spielen dürfen, sondern in einen Bildungsgarten gehen müssen und wie es wohl sein wird, wenn in meinem Garten ein Windkraftwerk rauscht:

Was gedenkt Ihr zu tun?

Das 9- stufige Eskalationsmodell

Sowohl im Privatleben bei Familienstreitigkeiten als auch im öffentlichen Leben bei Stuttgart 21 und natürlich unter verfeindeten Staaten wie Korea, können wir
das 9-stufige Eskalationsmodell nach Glas beobachten.

Eskalationsstufen:

1. Verhärtung der Standpunkte . Man glaubt, die Spannungen seien durch Gespräche zu lösen.
2. In der Debatte entsteht ein Schwarz-Weiß-Denken und man fühlt sich überlegen oder unterlegen.
3. Aktionen: Da man sich nicht mehr in den anderen einfühlen kann und glaubt, dass reden nichts bringt, wächst die Gefahr von Fehlinterpretationen.
4. Images/Koalitionen: Man bekämpft sich gegenseitig,streut Gerüchte und sucht Verbündete.
5. Unerlaubte Angriffe sollen den Gesichtsverlust des Gegners herbeiführen.
6. Durch Drohungen und das Aufstellen von Ultimaten wird der Konflikt beschleunigt.
7. Der Gegner wird als Feind gesehen, so dass Begrenzte Vernichtungsschläge als „passende“ Reaktion gesehen werden.
8. Zersplitterung: Nun wird das Ziel, das feindliche System zu zerstören und aufzulösen, intensiv verfolgt.
9. Gemeinsam in den Abgrund: Nun gibt es kein Zurück mehr .Es kommt zur totalen Konfrontation. Auch wenn man selbst dabei vernichtet wird, muss der Feind vernichtet werden.

Aber auch wenn die Bestie in uns steckt, gibt es Hilfe: Mediation.

Mediation ist ein Verfahren zur Konfliktlösung. Allerdings müssen sich die Beteiligten freiwillig entschließen daran teilzunehmen und wieder miteinander zu sprechen. Dann lösen sie mit Hilfe eines Mediators, eines Schlichters, ihren Konflikt selbst und eigenverantwortlich.

Diese Möglichkeit alternativer Konfliktbewältigung wäre wünschenswert für alle Gebiete, damit wir unsere Rollen, die wir in dieser Welt spielen anders ausüben. Wenn wir Politiker davon überzeugen, als Mediatoren statt als Alligatoren aufzutreten, wird eine neue Kultur entstehen.

Ob es auf diese Weise gelingt?