Tag-Archiv | theresa von avila

Natarajas Tanz in der Kirche

Ich wollte auf dem christlichen Weg, den schon unsere Mystiker gingen, eine Gotteserfahrung machen und suchte deshalb eine Kontemplationsgruppe in einer katholischen Kirche auf.

Im Wintermantel und Schal rezitierten wir gemeinsam einige Zeilen aus einem Heft auf dem Willigis Jäger „Integrale Spiritualität“ geschrieben stand.

Wir wurden angewiesen in die Stille zu gehen, indem wir alle Gedanken und Vorstellungen loslassen sollten, um so die Einheit mit dem göttlichen Urgrund zu erfahren.

Dann erfolgte eine ca. 20-minütige Kontemplation. Wir saßen im Kreis auf unseren Meditationshockern mit dem Rücken zum Altar. Weil es so kalt war, waren wir in Decken eingewickelt. Während der Kontemplation erlebte ich außer Stille auch ein gemeinsames Besteigen eines Gipfels.

Danach schritten wir auf unseren Wollsocken langsam im Kreis um den Altar herum, ich natürlich im Ballengang.

Bei der anschließenden 20-minütige Kontemplation besuchte mich zu meinem Erstaunen Shiva in seiner Nataraja- Gestalt:

Nataraja

Dann begann er sich während meiner beschaulichen Betrachtung so wie hier als Lillith zu präsentieren:

Mir wurde ganz heiß dabei. So hatte ich es mir nicht vorgestellt, auf Gott zu lauschen. Was hätte wohl Theresa von Avila, die durch einen leidenden Jesus bekehrt wurde, davon gehalten?

Während wir daraufhin schnell im Kreis über den Marmorboden schritten, konnte ich mich wieder etwas abkühlen.

Zum Abschluss rezitierten wir wieder gemeinsam den Text von Johanna Tauber über „ohne Bilder und Form“.

Ich bin sehr dankbar darüber, dass sich mir Gott so wunderbar von seiner weiblichen Seite gezeigt hat.

Der Verstand, ein lästiger Narr?

Wie kann es sein, daß eine Kartenlegerin, ein Medium, im Deutschland des 21. Jahrhunderts Schwierigkeiten hat, ihre Berufung offenzulegen?

Hellseherin

Weil wir es immer noch mit den Auffassungen der vorigen Jahrhunderte zu tun haben.
Der Rationalismus ( ratio = Vernunft ) ist eine philosophische Annahme, daß nur der Verstand die objektive Struktur der Wirklichkeit erkennt.

Diese Behauptung entstammt dem 19. Jahrhundert! Alles Übersinnliche und Unvernünftige wurde aus den Büchern (auch der Bibel) entfernt. Es gab einen Kampf gegen den Wunderglauben. Alles sollte sich nur noch vernünftig erklären lassen. Als Begründer des Rationalismus gilt vor allem Rene Descartes, der seine Auffassung von Wissenschaft anhand der Geometrie veranschaulichte. Demnach lassen sich die universellen Grundsätze einzig mit Hilfe des Verstandes erschließen. Er behauptete, dass jene Grundsätze nicht mit Hilfe der Sinneswahrnehmung erschließbar seien. Kant galt als Vollender des Intellektualismus.

Großartiges ging aus der Einseitigkeit im Denken und Handeln hervor. Unsere gesamte Technik haben wir dieser Gleichschaltung der Menschen zu verdanken. Die Frage bleibt, ob unser Leben besser geworden ist?

Ein Gegenbegriff ist „Empirismus“, der besagt daß alle Erkenntnis allein auf Wahrnehmung der Sinne beruht. Aber erst die Unvernunft der Seele erschließt die Fülle des Lebens. Theresa von Avila meinte gar, der Verstand sei ein lästiger Narr. John Locke und David Hume waren auch der Meinung, dass die Sinne grundlegende Erkenntnis lieferten.

Warum soll ich beim Meditieren den Verstand ausschalten – es geht doch auch mit! Warum sollte uns nicht in unserer Zeit eine Sythese möglich sein, ein sowohl als auch. Die Münze hat schließlich auch zwei Seiten, wenn nicht drei, sofern man den Rand miteinbezieht.

Liebe Julia-Chris, soviel zu Deinem Kommentar zu Vision (Hildegard von Bingen).

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