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Die Qual bei der Wahl

Kaum dass ich meinen Antrag zur Briefwahl abgegeben hatte, bekam ich auch schon 2 dicke Umschläge.

Mit Indra setzte ich mich an den Esstisch um gemeinsam die Kandidaten und Kandidatinnen besprechen und zu wählen.

Wahlzettel

Immer mehr Zettel und Umschläge quollen daraus hervor. Rote, gelbe, orangene, grüne, blaue, weiße…

Die aus dem 2. Umschlag sahen genauso aus wie die aus dem ersten, aber da waren noch mehr Zettel dabei!

Es war das pure Chaos. Wir begannen zu sortieren, ich griff intuitiv nach einem kleinen weißen Zettel, der mich an den heiligen Geist erinnerte und eine Art Gebrauchsanweisung war. Dort stand dann, dass ich auf einem roten Zettel nur ein Kreuzchen machen muss und diesen Zettel zusammen mit einem weißen Zettel, den ich mit meiner eigenen Unterschrift „Dschjoti „ und dem Datum versehen sollte, in ein rotes Kuvert stecken und zukleben sollte.

Wie früher leckte ich den Kleberand ab, weil ich nicht das dreckige Wasser aus der Blumenvase für die heiligen Wahlunterlagen verwenden wollte. Der Ökoleim schmeckte so grässlich nach Hundeleiche, dass ich ihn sofort am nächsten Wasserhahn, der in der Küche war, mit Spüli und Küchenrolle von der Zunge kratzte. Selbst danach half nur noch die restliche Osterhasenschokolade um den üblen Geschmack zu überdecken. Zusammen mit Indras Zetteln wurde das Chaos nun aber etwas weniger nebulös.

Genau so ein Kreuzchen machten wir dann auf einem andersfarbigen längeren Zettel, unterschrieben die Erklärung zur Briefwahl und da entdeckte ich Es! Das Kreuzchen, das man noch machen muss um anzuzeigen, ob man selber gewählt hat oder jemand anderes beim Kreuzchenmachen geholfen hatte. Das müssen wir beim anderen Zettel übersehen haben.
Indra wollte den roten Briefumschlag wieder öffnen, aber das ging nicht. Der nach Hundeleiche schmeckende Ökoleim hatte so hohe Adhäsions- und Kohäsionskräfte, dass nur der Umschlag zerriss.

Also rief ich meine beiden Freundinnen an, die sich als Wahlhelferinnen freiwillig gemeldet hatten, damit sie nicht auf irgendwelche blöden Familienfeiern gehen müssen, und bat sie , unsere beiden Kreuzchen später bei der Auszählung noch hinzuzufügen.

Dann ging es los mit dem Riesenzettel, wo man noch zählen musste. Anfangs war es leicht. Wir sahen einige Bekannte auf den Flyern, die ich mit der Post bekommen hatte. Die wählten wir, je nach Vorliebe oder auch nicht.

Dummerweise waren da auch welche mit demselben Nachnamen, so dass ich erst mal den falschen ankreuzte und dann wieder auskreuzte.

Dann machte mich Indra darauf aufmerksam, dass ich ja den Nachbarn gewählt hätte, mit dem ich mal ein riesiges Theater hatte, das lauter war als der Lärm den er damals gemacht hatte, als ich schlafen wollte. Jetzt war es mir aber doch zu blöd schon wieder ein Kreuzchen durchzustreichen und einen neuen Kandidaten zu suchen. Indra hatte schon vorher kapituliert und nur noch irgendwas angekreuzt.

Also zusammengezählt, Zahl eingetragen. Verglichen, alles in die Umschläge und ab zur Post.

Mist, da waren ja immer noch Zettel. Die bringen wir dann am 25. Mai mit und füllen sie in der Wahlkabine aus.

In der Ukraine haben sie schließlich auch doppelt gewählt!

Wenn jeder, wie wir, eine Stunde zum Ankreuzen der vielen Zettel braucht, müssen wir früh aufstehen, damit wir nicht so lange in der Schlange anstehen müssen.

Wahlzettel im Garten

Wie wählt ihr denn?